Untergehen ist das Eine, unter der Oberfläche bleiben das Andere. ;-)

Samstag, 3. März 2012

Schach mit dem Führer


»Kunst mit dem Führer« ist eigentlich das Fachgebiet des Nachbarblogs und nicht meine Spielwiese. »Schach mit dem Führer« fällt, denke ich, nicht unter dieses Ressort, so daß ich meine eigene Forschungssparte eröffnen kann, und »runterfallen« ist ein gutes Stichwort, oder besser, der Einstieg zu diesem Eintrag.

Obwohl »zusammenbrechen« es besser treffen würde. Ich meine jetzt nicht das Dritte Reich, sondern mein über Eck gelagertes Bücherregal, welches zu meiner Erbauung einmal im Jahr pflegt unter seiner Last zusammenzubrechen und seinen Inhalt bis in den letzten Winkel meines Zimmers, unter Beachtung der Gaußschen Normalverteilung, zu verstreuen. Dazu muß man anmerken, daß sich darunter Werke befinden, die mir im Rahmen einer Erbschaft anvertraut wurden, und die von mir zwar ungelesen, aber schon auf Grund ihres zeitgenössisch fragwürdigen Titels jedem Giftschrank einer gut sortierten Bücherei zur Ehre gereichen würden.

Da der Bücherhaufen zwar gut zu mir und meinem Zimmer paßt, aber ein geregeltes Leben unmöglich erscheinen läßt – der Gang zum Kühlschrank gleicht einer Flucht durch einen schwankende, literarischen Irrgarten – sehe ich mich jedes Jahr auf das Neue gezwungen, dieses Regal wieder zu errichten und einzuräumen, wobei mir jedesmal eine Kostbarkeit in Buchform in die Hände fällt.


Dieses mal ist es »Der Weg zum Matt« der meine Aufmerksamkeit erregt und ursprünglich für das Oberkommando der Wehrmacht gedacht war. Erst vermutete ich eine detaillierte Reisebeschreibung von Berlin bis nach Stalingrad und zurück, aber soweit vorangekommen war die Streitmacht damals noch nicht. In der Hand halte ich statt dessen ein kleines Schachbüchlein, was mein reges Interesse hervorruft. Nicht das ich so ein Schachspieler wäre – ich kann nur die Figuren ziehen und hoffen, daß mir dabei nichts passiert – nur muß es den Herren Generalfeldmarschallen 1941 ähnlich ergangen sein, sonst hätte man diesen Leitfaden nicht in Auftrag gegeben.


Das Inhaltsverzeichnis gibt sich betont militärisch, was dem einen oder anderen vertrottelten Militär dazu bewogen haben mag, die eine oder andere Armee nach strengem Schachreglement zu opfern, in der Hoffnung, das Blatt noch wenden zu können und das Kriegsglück auf sich einzuschwören. Oder es war der Führer selbst, der jeden Abend vor dem Brett immer neue Winkelzüge erfand, dem imaginär mitspielenden Stalin ein Schnippchen nach dem anderen schlug – Schach ist ja das Spiel der Könige – und der dabei vergaß, das ein Handstreich übers Spielbrett nicht der Gleiche ist, wie der, der in einem Weltkrieg übers Schlachtfeld geführt, den Gegner hinwegwischt.

Und im Hinwegwischen war der Führer ja ein Meister und dabei nicht zimperlich. Was waren schon die Bedenken seiner Generäle gegen sein Genie? Nichts, also weg damit. »Läufer auf C5? Da steht schon eine Figur? Weg damit!« Es wird schon keine eigene gewesen sein. Der Blitzkrieg auf dem Schachbrett. Folge 5697. Keine Partie mit dem Führer dürfte länger als 30 Sekunden gedauert haben. »Bauer auf ... Was? Schach? Matt? Weg damit! Ich werde die jüdische Weltverschwörung ausmerzen! Mit Stumpf und Stiel! Nein! Mit Dame und König! Es wird nicht gelingen dem deutschem Volke ...« Blitzkrieg, Folge 5670. »Was? Schach? Matt? Weg damit!« Und so weiter bis zum Endsieg. Wahrscheinlichkeitsberechnungen haben ergeben, daß dieser vermutlich am 21.12.2012 in der 3.678.908.734 Partie Schach mit dem Führer eingetreten wäre.

Schach ist ja auch ein Denksport. Zumindest ging die Wissenschaft bis jetzt davon aus. Das müßte dem Führer imponiert haben. Immerhin hat er es als talentloser Kunstpostkartenmaler bis zum Dienstgrad eines Gefreiten und zur Dienststellung des Oberbefehlshabers des Heeres geschafft. Eine Karriere, so einzigartig in der Geschichte der Menschheit, wie jeder einzelne Schachzug. Inzwischen hat man herausgefunden, daß es mit dem Denken beim Schach eher schlecht bestellt ist. Wenn man zum Beispiel einem Kriminalfilm versucht zu folgen, werden mehr als das Doppelte an Hirnregionen gefordert, als wie beim Schachspiel benötigt werden. Je besser man das Spiel kennt, um so weniger muß das Hirn rechnen.

Je mehr ich darüber nachdenke, um so weniger meiner Hirnregionen scheinen sich für den Denkprozeß verantwortlich zu fühlen. Theoretisch wäre ich also jetzt ein exzellenter Schachspieler. Wenn man den Gedanken weiterführt – irgendeinen Zweck sollte das Büchlein ja im Oberkommando der Wehrmacht erfüllen – könnte man auch zu dem Schluß kommen, daß sich eine herabgesetzte Denkleistung auch vorzüglich zum führen eines Angriffskrieges eignet. Die Welt auf das Notwendigste zu beschränken, sie in aller Klarheit zu erkennen, schafft man nur durch Meditation, Schachspielen oder beim entfesseln eines Weltkrieges.

Was zu beweisen wäre.

Blöderweise sieht es mit Angriffskriegen im abendländischen Kulturkreis im Moment ziemlich mau aus. Da sind nur kriegsähnliche Zustände oder Friedensmissionen im Angebot. Nichts, was es rechtfertigen könnte, ein ganzes Land in Schutt und Asche zu legen. Dabei bräuchte Deutschland dringend so eine Konjunkturbelebung. Die fetten Brocken schnappt sich seit letztens immer der Ami weg. Erst schafft der Baufreiheit aus der Luft, dann schickt der Bodentruppen - äh, humanitäre Missionen zum »Klar Schiff« machen und zum Zeltaufbau und schwupps, zutscht der den Derwischen da unten das Öl unter dem Arsch aus dem Land. Clever.
Man könnte mal wieder Polen überfallen. Selbst regieren konnten die sich eigentlich noch nie, das lehrt uns ihre Geschichte. Baufreiheit aus der Luft schaffen, Bodentruppen hinterher und mit großen Reibach auf ihre Kosten alles wieder aufbauen. Am deutschen Wesen soll die Welt genesen. Aber die sind auch nicht doof und haben den Braten längst gerochen. Umsonst sind die nicht der NATO beigetreten.

Bleibt das Morgenland. Schach kommt ja aus der Ecke. Genauer aus Persien und ins Deutsche übersetzt, bedeutet Schach so viel wie König. Aber die haben sich schon auf ein Level herabgedacht, daß sie schon wieder beten müssen, um aufs Klo zu kommen. Den Koran auswendig zu können ist eine gute Sache, wenn man es bei einmal beläßt und ihn nicht doppelt und dreifach herunterleiern kann. Er wird davon nicht besser und die eigene Frau verprügelt sich davon auch nicht von selbst.
Aber Gebete sind auch eine Form der Meditation und als solche zu begrüßen. Wenn man jetzt mal von kriegerischen Invasionen absieht – ich sehe keine Möglichkeit zur Stützung meiner These einen kleinen Krieg vom Gartenzaun zu brechen oder wenigstens einen netten Pogrom durchzuführen, ohne die Gesetze des Humanismus, denen ich mich nach wie vor verpflichtet fühle, zu verletzen – bleibt neben Schach nur das gepflegte Gebet zur Herabsetzung der Rechenleistung des Gehirns und damit zu dessen Erleuchtung.

Eine Erleuchtung hätte der Neurochirurg auch gern gehabt, als er mehrere Gehirne in Scheiben schnitt, die nach medizinischem Ermessen schon seit 20 Jahren hätte klinisch tot sein müssen. Sie gehörten katholischen Nonnen vom Congregatio Pauperum Sororum Scholasticarum Dominae Nostrae und waren so mit Morbus Altzheimer verseucht, daß normale Gehirnstrukturen nur noch schwer erkennbar waren. Den Damen war die Demenz aber merkwürdiger Weise bis ins hohe Alter nicht anzumerken. Man kam zu dem Schluß, daß ihre eingeschränkte Lebensweise dies ermöglichte. Essen, Schlafen und Beten. Durch ihr bewußt auf ein Minimum herabgesetzten Hirnaktivitäten konnten sie der Demenz Paroli bieten.

Wenn man diesen Gedanken weiterführt – ich persönlich nähere mich gerade dem Blitzkriegs- nein, dem Blitzschachniveau – kann man froh sein, daß die Wehrmachtsführung aus degenerierten Adeligen bestand und nicht aus scheintoten katholischen Nonnen. Die hätten den Bolschewismus nicht nur bis hinter den Ural gejagt, sondern über den Pazifik bis nach Pearl Harbor oder gleich bis in die Staaten. Da gäbe es jetzt bei McDonalds Soljanka und Pelmenie und in Großdeutschland keine Gegendemos. Da wären wieder alle dafür und der Bau des Stuttgarter Hauptbahnhofs schon längst vollendet.

Wenn man dauerhaft Schach spielt, also weite Teile seines Gehirns brach liegen läßt, läuft man allerdings Gefahr, der Gesundheit desselben zu schaden. Wenn, ja wenn man denn über »weite Teile« verfügt. Forscher gehen davon aus, daß ein Drittel unseres Hirns auf Sparflamme, oder besser, in Rufbereitschaft leuchtet. Es wird nicht genutzt, springt aber sofort ein, wenn andere Regionen ihren Dienst versagen. Sprich: »Axt im Schädel.« Es dauert ein wenig, bis die Synapsen sich eingespielt haben aber dann flutscht es wie gewohnt. Bei noch mal »Axt im Schädel« wird es dann schon schwieriger. Wir erinnern uns: Ein Drittel futsch, ergibt zwei Drittel funktionierende Hirnmasse, die aber wiederum ein Drittel in Rufbereitschaft versetzen muß. Das macht schon weniger als die Hälfte der ursprünglich gesunden Masse. Bei dreimal »Axt im Schädel« wird es dann eng. Da ist die Lage schlecht, aber nicht hoffnungslos. Wir erinnern uns: Beten oder Schach spielen hält die Hirnfunktion am Laufen und läßt noch etwas Spielraum für sonstige Aktivitäten. Beim vierten Mal »Axt im Schädel« meldet das System beim Wiederhochfahren dann unweigerlich »Out of Memory«. Das Einzige, was dann noch funktioniert, ist das unkontrollierte Kinderzeugen. Diesen Modus hat Mutter Natur so abgesichert, daß er völlig autonom vom Nervenzentrum in einer Stapelverarbeitung ablaufen kann. Das Einzige, was der Körper dafür braucht sind zwei drei Liter atembare Luft.

Worauf wollte ich hinaus? Wir erinnern uns: Weite Teile der unmittelbar nutzbaren Hirnmasse dauerhaft brach liegen zu lassen ist nicht gesund. Es tritt dann unweigerlich der sogenannte Memory-Effekt auf, wie er früher in Handy-Akkus üblich war. Wir erinnern uns? Die Ladeleistung erreichte immer nur den zuletzt erreichten Pegel. Das Hirn bäumt sich immer nur noch bis zu der zuletzt erreichten Rechenleistung auf. Unter Beachtung des natürlichen Schwundes wird es irgendwann fatal. Beten, Schach spielen, Beten, Schach spielen – einmal das Beten vergessen und schon reicht es nur noch für Schach.
Sicher, als Intelligenzbestie oder Blitzschachgenie, wie ich eines bin – ich habe so eben den Führer geschlagen. In 12 Sekunden, und damit wurde ich um 18 Sekunden schneller als er von meinem Laptop und dem installierten »Chess for Dummies« Schachmatt gesetzt. – könnte ich den Memory-Effekt vernachlässigen und ich müßte noch 300 Jahre leben, bevor sich daraus eine Konsequenz ergäbe. Aber mit solcherart gigantischer Rechenleistung ist eben nicht jeder gesegnet. Wer eine einzige Hirnwindung sein Eigen nennt, kann eigentlich gleich zum Kinderzeugen übergehen und sich die Gebets- und Schachspielexperimente schenken.

Oder das Straßenbahnfahren. Wenn dieses Elend der Führer noch erlebt hätte ... Seine nächste Rede auf dem Reichsparteitag wäre etwas lauter ausgefallen aber auch deutlicher zu verstehen gewesen. Dabei ist die einfache Straßenbahnfahrt selbst für das pubertierende Vorstadtgesindel keine unüberwindbare Hürde: Einsteigen, Fahrschein entwerten, Klappe halten und wieder aussteigen. Aber nein, die lärmen, schmutzen, belästigen alles was nach einem IQ über Null ausschaut und atmen noch dazu meine Luft. Dummdreiste, unverschämte und verlogene Arschlochaustauschgesichter voller mit Schminke verschmierten Pickel und mit einem teflonbeschichteten Hirn bewaffnet, was genau eine halbe Windung enthält und in dem nichts klebenbleibt außer ausgekatschter Kaugummi. Aber ich halte jede Wette, daß, wenn die im zeugungsfähigen Alter sind, ganz genau wissen, wo und wohin sie ihr ungewaschenes Geschlechtsteil hängen müssen, um möglichst effektiv viele Kinder zu bekommen. Dabei ist letzteres nicht mal gewollt, sondern eher ein Abfallprodukt.

Gut, auch wenn ich diesen Gedanken noch gern vertiefen möchte, so gebietet mir die Vernunft doch Einhalt. Es sind schon wieder drei Seiten Text geschmierfinkt und ich weiß eigentlich nicht so recht warum.

Aber Gott weiß das. Oder der Geier. Oder Beide. Es bleibt die Frage zu klären, woher meine Ahnen das Büchlein hatten. Die in Frage kommenden Kriegsteilnehmer brachten es nur zu Mannschaftsdienstgraden und ihr Genie sie an der Ostfront in Gefangenschaft aber nicht in das Oberkommando der Wehrmacht. Beim Russen hieß die »Kraft durch Freude« auch nicht Schach spielen, sondern Zwangsarbeit mit Hacke und Schaufel. Das war eher ein Scheißspiel, rettete einem aber das Leben.

Gott wird sich schon etwas dabei gedacht haben, als er mir diesen Leitfaden empfahl. Vielleicht soll ich anfangen mit Schach spielen und mir nicht so viele Gedanken machen. Das führt ja zwangsläufig in die geistige Umnachtung, wie es Nietzsche uns vorlebte. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob das so viel schlimmer ist, als fünfmal am Tag beim Gebet den Herrn zu preisen. Dem muß das Gedudel doch auch langsam auf den Keks gehen. Oder soll ich mich fit für einen gediegenen Angriffskrieg machen? Als Feldherr? Mein Geburtshoroskop, der Radix spricht dafür. Nach dem bin ich mit Ares, dem Kriegsgott, eng verwandt. Eineiige Zwillinge sozusagen. Oder seine schwertführende rechte Hand. Aber gegen wen könnte ich meine Aggressionen richten? Gegen alle Gläubige dieser Welt? Das sind ein bißchen viel ...
Vielleicht will der alte Sack mir auch bloß den Rat geben, endlich mal mein Regal zu reparieren. Wie bei einem kriegerischen Akt muß man dabei seine Ressourcen sichten und dann, ohne viel Gelaber planvoll zur Tat schreiten. Das wird es wohl gewesen sein. Alles andere scheint mir doch etwas zu gewagt.

»Schraube auf B5! Da ist schon eine? Weg damit! Nie wird es eine Unterschraube schaffen sich dauerhaft in einem deutschen Eichenbrett festzusetzen! Die Urkraft des völkischen Zorns eines gesunden, arischen Schraubenziehers wird ihr den Garaus machen! So wie das deutsche Volk Luft zum atmen braucht, so braucht eine eherne, aus Kruppstahl geschmiedete Schraube, vom gesundem Volksempfinden geführt, Platz um ihre ...«

»Tatü-tata-tatü ...«

Kommentare:

  1. Kompliment, Respekt - DAS ist Kunst mit dem Führer! Dank deiner Tippwut kann ich wieder mehrere Male den Text lesen, quasi häppchenweise. Führer auf f8 - Schach! ;o)

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  2. Huch! Das ging ja fix. F8 war auf frühen MS-DOS oder Windows-Versionen der Löschbefehl: Gesehen, gelacht, F8!

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    1. so ist das mit dem hintergründigen humor, dir entgeht aber auch nichts. das wäre mein nothaken gewesen, falls jemand die humorige nuance in bezug auf führergeblogge angezweifelt hätte, hehe...

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  3. Falls jemand den Führerquatsch in Zweifel zieht, kann er sich von mir aus die Pulsadern kreuzweise aufschneiden. Ich bin zu alt, um mich auf ein Sozialpädagogenniveau herabzulassen. In meinem Blog nehme ich mir die Freiheit, die Realität so darzustellen wie sie nunmal ist. Wer dabei glaubt, in eine häßliche Fratze zu sehen, sollte vergleichsweise einen Spiegel konsultieren.

    Sie befinden sich hier: unternormalnull :-P

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