Untergehen ist das Eine, unter der Oberfläche bleiben das Andere. ;-)

Freitag, 3. Mai 2013

Der Tod eines Seelenbaumes


Nun ist er von uns gegangen. Endgültig. Vielleicht ist er ja schon länger tot, ich habe es nur nicht wahrhaben wollen. Was sogar wahrscheinlich ist, denn groß verändert hat er sich im letzten Jahr nicht. (klick: Label Seelenbaum, da steht alles, was man wissen muß.) Beständig ist eben nur der Tod oder die qualifizierte Facharbeit der für solche Seelenbäume zuständigen Berufsgruppe. Sein Ableben ist der Nährboden in meiner Petrischale für aufkeimende und üppig wuchernde Feindbilder. Ich bin auch nur ein Mensch, ein Teil dieser Gesellschaft, und als solcher auf Konstanten im Leben angewiesen. Dazu gehört ein gediegenes und gepflegtes Feindbild. Nicht, daß eine Demokratie ohne trockene Bürgerkriege auskäme, daß könnte sie schon, aber dieser, in den Farben der BRD, scheint dies unmöglich zu sein. Ein gemütliches, ergebnisorientiertes miteinander schwatzen anstatt einen sinnlosen Grabenkrieg palavern täte diesem Land ganz gut. Aber das hat es vermutlich nicht einmal im Urkommunismus gegeben. Sonst hätte man ihn ja beibehalten.

Zurück zum Feindbild. Ich bin da flexibel und auch zum Nachgeben bereit. Mir wurde weder die Weisheit mit dem goldenen Löffel eingeprügelt, noch erhebe ich den Anspruch für das Alleinvertretungsrecht der Wahrheit. Welche für sich allein gesehen schon ein heikel Ding ist, auf deren Pfaden man nie weiß, ob man wandelt oder irrt. Insofern kann ich die Anklage bitterböser Zungen der Berufsgruppe der Seelenklempner, Seelenbaumpflanzern und der Seelenführer gegenüber, man könne, wenn man gedenkt sich ihnen anzuvertrauen, auch gleich von einem 10m Turm in ein mit Schaum gefülltes Schwimmbecken springen – das Ergebnis wäre gleich – weder bestätigen noch teilen. Ich selbst wurde ja noch nie in meinem Leben genötigt mich deren Hilfe auszuliefern. So, wie dieser Gesop-Seelenbaum.

Aber man kann bekanntlich nicht von einem Mißgeschick ausgehend, gleich das gesamte Werk einer Berufsgruppe in Zweifel ziehen. Der Staat tut dies ja auch nicht. Würde er sonst Gehälter und Fördermittel sprudeln lassen, wenn er annehmen müßte, daß sie im blinden Aktionismus und purer Selbstbeweihräucherung versickern? Mitnichten. Er würde nie auf die Idee kommen, des Steuerzahlers Geld zu verpulvern in dem er Projekte am Leben erhält, die sich ausschließlich mit sich selbst beschäftigen und deren Nachhaltigkeit (welch gelungenes Schlagwort!) obendrein gegen Null tendiert. Nein, er baut auf qualifiziertes Fachpersonal, welches eine fachlich fundierte, aufopferungsvolle Leistung zum Wohle der Gesellschaft vollbringt. (Man möge mir meine Einfallslosigkeit bei den entsprechenden Termini verzeihen. Ich bin nicht mit so einem umfassenden Sprachschatz gesegnet, wie diese Kräfte ihn sich zu eigen machten, die ich gerade versuche zu beschreiben. Was war gleich kognitiv?)

Zurück zum Seelenbaum. Auch wenn er sich zu Lebzeiten bei seinen Hegern nicht über Fürsorge und Beliebtheit erfreuen konnte, von gottgefälligen bunten Zetteln, in seiner sich in eine grüne Pracht entfalten wollender Krone gebammelt, abgesehen, so scheint er als toter Stumpf das Herz manch Wanderers zu rühren.



Politisch korrekt, der Weltanschauung der »Kampftag-der-Arbeiterklasse-Wandergruppe« angepaßt wurde er in einen Lebensbaum umgetauft. Ist das nun Zynismus pur oder verzweifelter Optimismus? Beides würde der SPD gut zu Gesicht stehen. Aber da ich weiß, daß sie schon längst keine Arbeiterpartei mehr ist und Rosa Luxemburg bei denen in die Kategorie lustige Folklore fällt, kann es sich bei den Wanderfreunden wohl kaum um Genossen handeln. Außerdem haben die brisantere Themen, z.B. Steinbrücks zu mickriges Kanzlergehalt (Warum geht der nicht gleich zu Gazprom? Nehmen die nur gescheiterte Altkanzler?), den getrennten Sportunterricht, Weinpreise, europäische Clowns usw. zu debattieren anstatt bodenständige Luft, zu Fuß im Wald, zu atmen.



Wer auch immer den toten Baum mit Zetteln bestückte und lustige Konterfeis an der Tafel hinterließ – soll das Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht sein? – sie haben eher meine Sympathie, als jene, die vorher ihren bunten Müll an mein Seelenbäumchen bastelten.

Womit wir wieder beim Thema wären. Langsam wird es peinlich für die, die sich am Täfelchen huldigen. Oder ist es üble Berechnung? Intrigante Seelenbaumsägerei am Thron eigener Vorgesetzter? Wer weiß das schon?


Vielleicht sollten sie die Tafel versetzen. Hier stehen insgesamt sechs Bäumchen (drei weiter stadteinwärts), die man zu einem Seelenbaum küren könnte. Es kann ja nicht so schwer sein, eine Tafel anzuschlagen, ohne den Baum gleich hinzurichten. Und wenn doch: Man hat ja sechs Versuche. Es kann ja nicht immer alles schiefgehen.

Nachtrag: Keine 5 Stunden später bot sich mir folgendes Bild, was ich mal unkommentiert lasse.







Aber mal ganz ehrlich und unter uns: Es ist doch völlig egal, ob der Baum tot oder lebendig ist. Solange es Menschen gibt, die ihm die Macht über sich anvertrauen, an ihn glauben, macht der sein Ding und alles wird gut.

Kommentare:

  1. Das hätte Rosa nicht gewollt. Glaub ich.

    Halbmast für den Baum & alles Gute für Katrin.

    Und am achten Tag entschied der Herr, doch kein Hirn regnen zu lassen.

    ;o)

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  2. Und Gott, in seiner Allmacht und Weisheit, tat gut daran. Wir würden vor Langeweile sozialverträglich frühableben, wenn es die Deppen, in ihrer allumfassenden Dummheit nicht gäbe. Über was könnten wir uns sonst aufregen?

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    1. Wetter, SGD, Walsterben, Storchenplage. Nur zum Beispiel.

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  3. Oder über Gott selbst. Ein heißes Thema seit Anbeginn der Zeit. Das hat er verhindert.

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