Untergehen ist das Eine, unter der Oberfläche bleiben das Andere. ;-)

Montag, 6. Juni 2011

Denn wo dein Schatz ist ...


»Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich; wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut. Lukas 11.23«

Nun ist er wieder weg, der Kirchentag. Wie gekommen, so zerronnen.


Was bleibt, sind ein paar leere Pappschachteln vom inoffiziellen, tschechischen Ausstatter der Festspiele, ein paar zukünftige Neueintragungen im Geburtsregister, die auf so klangvolle Namen wie Thekla, Thabea, Balthasar, Jakob, Ibrahim-Maria, Kevin oder Joachim hören werden, ein paar andere Sündenfälle, sowie ein schlechter Nachgeschmack.


Der Vorgeschmack fühlte sich allerdings auch nicht besser an. Er war irgendwie evangelisch. Als wenn einem, ein uraltes, verstaubtes, pinkfarbenes Sofakissen um die Ohren gehauen wird, aus dem die Holzwolle quillt und einem dabei versprochen wird, daß man erst damit aufhören werde, wenn aus dem Kissen der Geruch von Frühling, weichgespülter Freiheit und Glückseligkeit strömt. Dieser anerzogene Reflex, der bei einem Christen so wunderbar funktioniert, sobald der ein Kreuz sieht und hundert Jahre alten Moder riecht, wollte sich bei mir nicht einstellen. Ich habe auf diese Plakate gestarrt und der Vorgeschmack hörte einfach nicht auf, evangelisch zu sein. Obwohl dieser trostlose Kitsch eher auf katholischen Mist gewachsen zu sein scheint – ein katholischer Führungskader wirbt nicht, er ordnet an – scheint er auf protestantischen Nährboden gefallen zu sein. Das Prinzip ist so simpel, wie die Kirche selbst: Herzscheiße auf Bibelsalat = Zusammengehörigkeitsgefühl. Identifikation durch Ausgrenzung. Außen vor bleiben alle, denen das Niveau zu niedrig ist. Oder zu einfach gestrickt.

Die Kirchentagspräsidentin Frau Katrin Göring-Eckart würzte ihre Laufmaschen mit der Aussage, daß sie froh und stolz ist, das der Deutsche Evangelische Kirchentag nun in Ostdeutschland angekommen ist. Was auf dem ersten Blick wie eine übliche klerikale Phrase klingt, deren Aussagekraft bei Null liegt, läßt beim zweiten tief blicken. Dresden ist nicht Ostdeutschland, wird aber damit gleichgesetzt. Die Vokabel Ostdeutschland ist aus historischen Gründen negativ besetzt und offiziell nur im Wetterbericht der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten gebräuchlich. Ansonsten spricht man vom Osten Deutschlands. Oder von Mitteldeutschland. Was geographisch und historischer Unfug ist. Wenn Sachsen in Mitteldeutschland läge: Wo ist dann Ostdeutschland? In Böhmen, Mähren usw. bis kurz vor Moskau? Waren das nicht die Ostgebiete des Deutschen Reiches? Egal. Die, die Mitteldeutschland erfunden haben, war es nur peinlich ihren Ehefrauen zu gestehen, daß sie in den Osten versetzt wurden und sie damit zum Bodensatz dieser Gesellschaft gezählt werden und nicht zu deren Leistungsträgern. Wer wollte schon freiwillig in den Osten? Niemand. Selbst Erich Honecker mußte.

Wenn in Frau Göring-Eckarts Oberstübchen ihr Unterbewußtsein die Führung übernimmt und sich so verklausuliert zu Wort meldet, kann man das auch getrost so übersetzen: Sie ist heilfroh, daß sie ihr Spektaculum gegen alle Widerstände nach -zig Jahren in Dresden – also der einzig ernstzunehmenden Stadt in der besetzten, aber nicht eroberten Zone – durchziehen darf. Militärisch gesehen, ist ihr ein Brückenkopf in einem hoffnungslosen Gebiet gelungen.

Ihren Stolz kann man nur verstehen, wenn man einen Vergleich an den Haaren herbeizieht. Egon Krenz wäre vor Freude implodiert, wenn es ihm gelungen wäre, sein Pfingsttreffen der FDJ in München abzuhalten, und ihm dafür auch noch rund 15 Mio West-Mark zum Verpulvern, aus dem bundesdeutschen Staatsschatz zur Verfügung gestanden hätte. Die Freude wäre für ihn allerdings nur kurz gewesen, denn er hätte allein nach München ziehen müssen. In Erwartung eines vergleichbaren politischen Programms, wie das der Kirchentag seinen Schäfchen verordnet, wäre jeder FDJler zu Haus geblieben. Es sei denn, er wäre auch ein Christ gewesen. Die wären in froher Erwartung trotzdem gefahren. Christen sind da aus einem anderen Ei gepellt. Die tun sich alles an, was man ihnen abverlangt. Ihr Gesprächsbedarf ist durch Mutation ins Unerschöpfliche gewachsen. Der ist einfach nicht totzukriegen. Falls sie sich wirklich mal nichts mehr zu sagen haben, reden die einfach über Gott. Das machen sie schon seit knapp 2000 Jahren konsequent erfolglos und sie werden es noch weitere 2000 Jahre tun.

Deswegen sind sie ja auch aus der FDJ wieder herausgeflogen. Deren Statut sah ja auch vor, konfessionsgebundenen Jugendlichen, soweit sie auf demokratischen Boden wandeln, eine Heimstatt zu geben. Das Dilemma wurde allen Beteiligten erst bewußt, als es schon zu spät war. Ein gemeinsames Handeln war schlicht nicht möglich. Zwar teilten beide Lager in etwa die gleiche Idealvorstellung darüber, aber der Belzebub steckte wie immer im Detail. Die FDJ redete von Max braucht Wasser und die Christen über Gott. Die Einen wollten sich die Erde untertan machen und die Anderen nur daran glauben. Irgendwie hätte man sich schon einigen können, wenn das böse Wort nicht Demokratie heißen würde. Die macht nur Spaß, wenn man selbst die Mehrheit der Meinungen für sich vereinen kann. Ist dies nicht der Fall, sind automatisch alle anderen undemokratisch. Also packten die Christen ihr Zeug wieder zusammen, oder wurden zusammengepackt und kochten fortan ihr Süppchen alleine. Das Ganze nannten sie Ökumene und man lies sie im eigenen Saft brodeln, solange sie sich auf Gespräche über Gott beschränkten. Was sie blöderweise nicht taten, weil sie es gar nicht konnten, sonst wären sie ausgestorben. Die brauchten auch Frischfleisch, um nicht nur an spiritueller Inzucht zugrunde zu degenerieren.

Nur: Wo bekommt man es her? Das Frischfleisch? Die Frischzellenkur? So, wie die Alten sungen, zwitschern auch die Jungen. Auf einen Altchristen kommt im Durchschnitt ein Junger. Das reicht aber nicht. Also mußte die Fackel des Christentums dorthin getragen werden, wo sie auf trockenem, verlassenen Äckern ohne Gegenwehr munter brandschatzen konnte. Das waren Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser und Hospizen. Einen Menschen zu einem Christen zu machen ist relativ einfach, wenn man ihm von früh bis abends einredet, daß er einer ist. Früher oder später glaubt er dann selbst daran. Das ist nachhaltiger als ihm einfach ein Körperteil zu verstümmeln und ihn so zu brandmarken, wie es andere Religionen tun.

Die herrschende, wissenschaftlich fundierte Religion in der DDR erkannte die Gefahr, stand sie doch selbst vor dem gleichen Problem: Der Nachwuchs blieb aus – schlimmer noch: Er wechselte die Lager. Warum auch immer.

Aus anfänglichen, geschönten Gemeinsamkeiten wurden unüberbrückbare, unkaschierte Gegensätze und man pißte sich gegenseitig ans Bein, wo man nur konnte. So schön, wie die Trennung zwischen Kirche und Staat in der DDR gelungen war: Letztendlich löste sie keines der gemeinsamen Probleme.

Was bleibt, ist die Erkenntnis: Wenn man jemanden ans Kreuz nagelt, muß man damit rechnen, daß er wieder aufersteht. Ausrotten kann man nur Menschen, aber keine Ideen. Deswegen ist der staatlich verordnete Kreuzzug gegen den Glauben im Sande verlaufen und genauso wird der Siegeszug der Glaubenskrieger mit ihren ostgedresdnerten Kirchentag im Nichts verpuffen.


Womit wir wieder in der Gegenwart wären. Das Logo des Kirchentages ist mit dem Jerusalemkreuz identisch. Die Darstellungen weichen nur, je nach dem verwendeten Kreuz, von einander ab. Links im Bild sehen wir das einfache, griechische Kreuz und in der Mitte das Krucken-, Krücken- oder das Hammerkreuz. Letzteres ist etwas problematisch, gilt es doch auch, wie die Swastika, als Sonnen- und Glücksymbol und ist ihr graphisch ähnlich. Deswegen brachte man wohl auch das einfache Kreuz zum Einsatz. Verschwörungstheoretiker werden sich davon allerdings nicht beeindrucken lassen. Sie werden das sehen, was sie sehen wollen: Bestenfalls ein Kreuzzugsymbol mit Bezug auf die jüngere deutsche Geschichte. Aber das ist es mitnichten. Die Suppe mit dem Kreuz brockte zwar ein gewisser Herr Kreuzritter Gottfried von Bouillon, seines Zeichens einer der Anführer des Ersten Kreuzzuges, ein, aber erst 400 Jahre später erkor es unter anderem der Ritterorden vom Heiligen Grab zu seinem Emblem. Für was es bei diesem katholischen Verein steht, weiß ich nicht so recht. Den weltweit agierenden 22000 Rittern geht es vor allem um die Unterstützung von kirchlichen Einrichtungen in finanzieller Hinsicht. Vielleicht haben sie mit den Evangelen einen ökumenischen Sponsorenvertrag: Ihr tragt unser Kreuz in der Flagge und wir eure finanziellen Verbindlichkeiten.

Einer trage des Anderen Last. Welch schöner Gedanke. Da kann der Staat nicht anders, als sich an den Kosten der Propagandaveranstaltung zu beteiligen. Die 7,5 Mio. Euro sind zwar etwas mickrig ausgefallen, aber die Bundesrepublik muß sich auch um andere, schützenswerte Minderheiten, wie die Punks vom Bahnhof, die Sorben-Mafia, die FDP, um nur einige zu nennen, kümmern können. Wenn man bedenkt, daß die Kirche den Staat jedes Jahr um mehrere Milliarden Euro erleichtert, kann man dankbar sein, daß sie es bei dieser Bonuszahlung bei ein paar Milliönchen belassen hat.

(Anmerk. des Verfassers: Hinter diesem Hintergrund ist mein Entwurf für die Leibstandarte des Kirchentages, oben rechts, zu sehen. Sie wurde als zu realitätsnah abgelehnt.)

Das diese Raubzüge am Steuerzahler immer noch möglich sind, ist dem Umstand zu verdanken, das es keine Trennung von Staat und Kirche in diesem Land gibt. Die Kirche verliert zwar immer mehr an Basis in der Bevölkerung, aber das kann ihr egal sein, wenn sie weiterhin am Schalthebelchen der Macht sitzen kann. Nirgendwo verdunstet Geld so schnell, wie in Kirchenhand und nirgendwo versickert es so unwiederbringlich, wie in ihren dunklen Kanälen. Dabei hat der gemeine, gewöhnliche Christ nichts davon. Rein rechnerisch könnten die sich von den Staatsleistungen jedes Jahr einen neuen Porsche kaufen und sich Gottes Reich schon auf Erden leisten, aber so weit geht die Nächstenliebe der Kirchenfürsten nun auch wieder nicht. Das Fußvolk der Gotteskrieger kann sich in zu 100% vom Staat finanzierten christlichen Krankenhäusern krumm pflegen oder sich in Hospizen zu Tode schaufeln – abgespeist werden sie mit einem Apfel, einem Ei und dem Verweis auf das Matthäusevangelium, Kapitel 6. »Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.« Was nicht einmal gelogen ist. Bischof Mixa z.B. kann über seine Schätze stundenlang labern, wenn er denn wollte. Er könnte auch noch länger darüber philosophieren, was da noch so alles im Kapitel 6 steht. Aus seinem Mund gesprochen, hätte der Satiregipfel von der ARD einen neuen Dauerbrenner.


Da würden zwar ehrliche, religiöse Gefühle im Wasserglas stürmisch toben, aber auch ohne jegliche Folgen verbleiben. Was macht der Christ, wenn er sich veräppelt und verarscht vorkommt? Richtig. Er redet über Gott und leidet. Leiden tut er so gar sehr gern. Da kann er Jesus so nah sein. Das meinte zumindest Mutter Theresa. Sie empfand das Leid und den Schmerz als eine wunderbare Sache. Vor allem, weil sie es nicht selbst betraf. Schmerz sei wie der Kuß Jesu – damit tröstete sie Krebspatienten im Endstadium und versagte ihnen jegliche Schmerzmittel. Von Jesus geknutscht zu werden, stelle ich mir auch nicht sehr angenehm vor, aber im Gegensatz zu einem Todkranken kann ich mich dagegen wehren. Gegen christliche Nächstenliebe sollte man dies auch tun – mit Händen, Füßen und als Ultimo ratio auch mit Waffengewalt. Es sei denn, man will leiden und zu den hirnlosen Verarschten auf diesen Planeten zählen.

Apropos verarschen: Der Bürgerpräsident der Herzen, Joachim Gauck war auch als Staat zu Gast in der Kirche oder eben zu ihrem Kirchentag. Diese Formulierung habe ich frei der DNN entnommen und der geneigte Leser müßte dabei vor Lachen unter den Tisch gerutscht sein. Sei es, wie es sei. Joachim muß ziemlich sinnentleert über die Gründe palavert haben, warum der Bürger sich von der Politik abwende und obwohl dieser konkrete Vorstellungen über einen Politikwechsel habe, nicht wählen gehe. Ja, warum denn nicht? Weil er die Kirche weder wählen, noch abwählen kann. Die ist schon da, und zeigt sich von Wahlen ziemlich unbeeindruckt. Sie ist fest in fast allen Parteien verankert. Nur Die Linke bildet da noch die Ausnahme. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis es ihnen ergeht, wie den Grünen. Von einer freien Protestpartei mit eigenem Profil, sind sie zu einem Ableger der zwei großen Volksparteien verkümmert. Schlimmer noch: Einen Aufnahmeantrag für die Partei »Die Grünen« bekommt man schon in jeder evangelischen Kirche Deutschlands hinterhergeworfen. Die Schamgrenze für die Kirche, einer Partei beizutreten ist in den letzten Jahren unternormalnull gefallen. Selbst in der CDU/CSU sind ihre Vertreter schon zu finden. Franz Joseph Strauß würde zu den Waffen rufen, wenn er es noch könnte.

Wo Joachim Gauck ist, da ist Christian Wulff auch nicht weit. Davon träumt zumindest Herr Gauck. Beide vereint eine politische Bedeutungslosigkeit nicht erst seit der Bundespräsidentenwahl und beide sind nun auch auf dem Kirchentag in Ostdeutschland angekommen. Während Herr Gauck noch über die schwere Arbeit in der Politik sinniert, wird der Bundespräsident konkreter: Er mahnte mehr Aufklärung und Differenzierung in der Auseinandersetzung mit dem Islam an. Was er damit meint, weiß ich nicht. Es ist möglich, daß er dies noch näher erklärt hat. Aber da ich nicht dabei war, entzieht sich das meiner Kenntnis. Aufklärung über den Islam habe ich bitter nötig. Schon mit Hinsicht auf meine Kenntnisse über das reale Christentum. Meiner Meinung nach, nehmen sich beide nicht viel. Keine Religion ist besser als die andere. Beide gehören in den Hobby- und Freizeitbereich, aber nicht zur Entscheidungsgewalt einer Gesellschaft. Soviel muß man aus der Geschichte lernen dürfen. Den einzigen Unterschied, den ich entdecken kann, ist, daß ein Christ ein schlechtes Gewissen haben sollte, wenn er seine Frau verprügelt. Das ist etwas mager, aber es gibt ja in Deutschland viele Sektenbeauftragte der Volkskirchen, die mich über den Islam noch aufklären werden.

Margot Käßmann war auch da. Die Mutter aller guten Ratschläge für die 365 Tage im Jahr. Diese lieferte sie bis vor einem Jahr unter der Rubrik: »Der Politik reinen Wein einschenken.« Dann beging sie ihre Trunkenheitsfahrt und ihre Popularität schnippste durch die Wolken. Seit dem weiß der Christ: Das ist eine von uns. Aber nicht wegen dem besoffen Autofahren, sondern wegen ihrer Ehrlichkeit danach. Sie trat sofort von allen Ämtern zurück und bat demütig um Entschuldigung. Sie hätte sich ja auch herausreden können. Das sie nicht ganz allein im Auto war und Gott eine Mitschuld trägt, weil er ihr tatenlos zu sah, usw. Was Quatsch ist. Gott hat sie aus dem Verkehr gezogen. Statistisch gesehen kommt auf eine geahndete Trunkenheitsfahrt 200 unentdeckte. Der wollte nur Schlimmeres verhüten.
Aber nein: Sie zog sofort die Konsequenzen. Das war das einzig Richtige. Der Erfolg gibt ihr recht. Nach einem Jahr kehrt sie mit wehenden Fahnen zurück. Das unterstreicht auch die Gefährlichkeit dieser Person. Die glaubt an das, was sie sagt. Und sie glaubt an das, was sie tut. Damit unterscheidet sie sich wesentlich von ihren Kollegen. Um als Frau in einer männerdominierten Vereinigung, besser: von alten Sä... dominierten Klüngel, zur Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland aufzusteigen, gehört sehr viel. Sie muß die alte Herren-Riege reihenweise gelinkt und hintergangen haben, um auf diesen Posten zu kommen. Aber letztendlich ist das nur meine persönliche Einschätzung und kein Urteil. »Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammet nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebet, so wird euch vergeben. Lukas 6.37« Daran wollen wir uns mal halten.

Was mir auffällt ist, daß der 33. Kirchentag ein Lebensborn zu seien scheint. Von Frau Käßmann, Joachim Gauck über Nina Hagen zu ... – ich hör mal auf mit der Aufzählung, sonst werde ich hier nie fertig mit schreiben – das Erdreich scheint sich aufzutun und die eine oder andere Gruft wieder freizulegen. Längst verstaubte Gespenster fallen über das Land her und verbreiten einen Pesthauch, daß es einem ganz christlich zumute wird. Der Geist eines geschändeten Gottes schwebt über der Kloake religiösen Wahns und ganz irdischen Machtstrebens. Sieht so eine moderne Kirche aus? Natürlich. Wie denn sonst?

Wie gewonnen, so zerronnen. Der 33. Deutsche Evangelische Kirchentag ist Geschichte. Sein Brückenkopf liegt brach, die Fahnen werden wieder eingerollt, die Schlachtenbummler verschanzen sich wieder in ihren Hochburgen und der Osten Deutschlands bleibt besetzt aber unerobert. Was bleibt, sind schöne Erinnerungen an ein paar schöne Tage. Zumindest bei den Bockwurstbudenbesitzern Dresdens.

Was bleibt noch? Der üble Nachgeschmack? Der vergeht wieder. Da hilft Zähneputzen. Selbst die Löwen im altem Rom, denen man Christen als Hundefutter zum Fraß vorgeworfen hatte, bekamen nach dem Mahl Rosenwasser zum Trinken gereicht, damit sie den heiligen Geschmack wieder loswurden. Ein Nachruf? Eine Mahnung? Vielleicht, daß man um religiöse Gefühle zu verletzen, sie nicht mit Füßen treten, sondern dafür ein Kantholz von einem geweihten Olivenbaum nehmen sollte. Gut, das führt jetzt zu nix Gutem.

Vielleicht eine Grundsatzerklärung oder besser Forderung: Wer Religionsfreiheit fordert, muß anderen auch ein Recht auf Freiheit von Religion zugestehen. Dasselbe gilt auch im Umkehrschluß und vor allem, daß jeder seine Zeche selbst bezahlt. So klappt es nicht nur mit dem Nachbarn, sondern auch mit dem Christen.

»Da sprach Jesus zu ihm: Stecke dein Schwert an seinen Ort; denn wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen. Matthäus 26.52«
Post dingsda:


Positiv ist mir während himmlischen Heimsuchung folgender Verein aufgefallen: GeFAHR e.V. Was man von ihm halten soll – davon kann sich jeder selbst eine Meinung bilden. Zumindest scheint er ideologiefreier und sachlicher zu sein als ich. *g*

Kommentare:

  1. „Der Mensch sinkt, wenn er einmal sinkt, immer unter das Tier.“

    Friedrich Nietzsche (Wie man wird, was man ist)

    Wo ist eigentlich das Paradies geblieben? Tatsächlich befinden wir uns noch immer mitten darin, aber wir sehen es nicht. Wir können es nicht sehen, weil Heerscharen von Schweinepriestern uns erzählen, das Paradies sei ein „Obstgarten“, in dem es Verbote einzuhalten gilt, die gar nicht einzuhalten sind. Diese Lüge verbreiten die Priester seit Jahrtausenden; zuerst, weil sie uns belügen mussten, und später, weil sie nicht mehr anders konnten. Das Lügen wird zur Gewohnheit, wenn die Wahrheit längst vergessen und die Lügerei umso besser bezahlt ist, je höher das Lügengebäude wird, das mit verbogenen Balken gerade noch errichtet werden kann.

    Unser schöner Garten Eden wurde zu jener „modernen Zivilisation“, in der das Lügen mittlerweile so gut bezahlt wird, dass die ehrliche Arbeit es kaum noch tragen kann.

    Alles begann mit der Erbsünde. Als noch niemand wusste, wie der Himmel auf Erden zu gestalten ist, in der niemand einen unverdienten Gewinn auf Kosten der Mehrarbeit anderer erzielen kann, durfte das arbeitende Volk nicht wissen, dass im Privatkapitalismus ein nachhaltiges Wirtschaften unmöglich und der nächste Krieg unvermeidlich ist. Priester wurden verpflichtet, allen Zinsverlierern zu erzählen, die Marktwirtschaft sei ein „Obstgarten“ und manche Früchte seien eigentlich verboten aber wohl in der Praxis nicht zu vermeiden. So verschaffte die Erbsünde denen ein Auskommen, die außer lügen nichts gelernt hatten.

    Problematisch wurde es erst, als ein Prophet erklärte, dass mit konstruktiv umlaufgesichertem Geld der Allokationsmechanismus zwischen Kreditangebot und Kreditnachfrage erhalten bleibt, auch ohne dass das Finanzkapital mit dem Urzins belohnt werden muss, damit es rentable Sachkapitalien gebiert. In diesem Fall wäre das Kreditangebot mit der Summe aller Ersparnisse identisch, der Geldkreislauf stabil, der Geldverleih gerecht, jede Geldbewegung intelligent, jeder Anspruch auf Geld gesichert, und Gott würde nicht mehr gebraucht.

    Das Paradies von der Erbsünde befreien und das auch noch ohne Verbote? Diese „Unverschämtheit“ konnte man nicht durchgehen lassen, denn dann würden sogar die Lügner wieder von ehrlicher Arbeit leben müssen.

    So wurden alle Priester zu Schweinepriestern; und alle, die nicht gestorben sind, belügen uns noch heute.

    Herzlich Willkommen in der wirklichen Welt:

    http://www.deweles.de/willkommen/himmel-und-hoelle.html

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  2. Da die werte Bloggerschaft wieder dazu übergeht, in altbewährter Romanform zu schreiben, und der Hunger mich schleunigst zur Gastronomie lenkt, konnte ich nicht den kompletten Text und den romanesken Kommentar komplett erfassen, was aber morgen in Ruhe nachgeholt wird.

    Die Grafiken des Meisters erquicken aber den Leser und seine Mitleserin zutiefst. Sehr schön.

    Das Intro allein zündet gewaltig! Was den Osten angeht, oder das, was nach Ostdeutschland kommt, ist natürlich diffizil, da hatten andere Figuren der Geschichte schon seltsamere Ideen. Während die Christenheit wahrscheinlich nur in Bistümern denkt.

    Und der Unterschied zwischen katholisch und evangelisch ist, so zumindest der aktuelle Erkenntnisstand, wenn es denn einen gibt, der, dass der sich evangelisch bekennende Mensch nur deshalb nicht als Katholik bekennt, damit er keine in die Fresse bekommt.

    Dann lieber böhmisch katholisch, mein Bruder, amen, achnee, ahoi! ;o)

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  3. Gemach, Gemach Octa. Der Blog läuft ja nicht weg. Die Kirche auch nicht.

    Katholiken und Evangelen kann man ganz einfach unterscheiden: Die Einen haben ein Ding an der Waffel, die Anderen einen Sprung in der Schüssel und Beide sind gegen das Paddel geknallt. *g*

    Was ich von dem Kommentar da oben halten soll, weiß ich auch noch nicht.

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  4. Also ich bin zu müde grad für alles ... morgen dann ... aber ich kann sagen, dass ich meinen Lieblings(ab)satz bereits beim Überfliegen gefunden habe. Darin steht, dass Frau Göring-Eckarts HEILfroh ist ... :o))) Gute Nacht.

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  5. Naja, wenn man selber drei Seiten schmierfinkt, kommt einen das zu wenig vor, aber wenn man es von anderen lesen muß, ist es ein hartes Brot. Ihr habt mein Verständnis. *g*

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  6. Okay, jetzt endlich zeit zum lesen gefunden (hab nen halben Tag Urlaub dafür genommen, hehe). Schön, dass Egon Krenz mal wieder Erwähnung fand. Irgendwie paradox, dass auch er für die Sünden anderer "gekreuzigt" wurde, also zumindest in den Knast gesteckt wurde.

    Wie macht man einen Meschen zum Christen? Die Bastelanleitung dafür gabs im Mittelalter. Man zwingt ihn einfach, anderweitig Scheiterhaufen oder ähnliche Unannehmlichkeiten. So einfach ist das.

    Die Sache mit dem Jesus-Kuss stelle ich mir nicht so prickelnd vor, war ja eher ein Unrasierter und die Zahncreme war sicher auch noch nicht erfunden. Und von Mutter Teresa? Lieber auch nicht. Kann ich mir jemand anderen raussuchen?

    Gauck und Wulff. Traumhaft. Hänsel und Gretel, Bang und Olufsen, Minge und Gütschow. So einen Job muss man haben. Im Grunde keine Verantwortung, bisschen rumlabern, so was wie Blog schreiben, blos für Geld, hehe... Ist aber klar, dass solche Massenevents die politische Creme anziehen, wie ne alte Hundewurst die Fliegen. Die Frage ist nur, also, wenn du schon die Message nicht verstehst, wer dieser ewig grinsenden potentiellen EHEC-Patienten versteht sie dann, wennde weißt, was ich meine...

    Was Frau Kässmann angeht, könnte ich brechen, wie der Amselfall. Wenn jeder, der halbwegs angeschickert Auto fährt und sich deswegen keine Platte macht, als liebenswert akzeptiert werden würde, hätte man den halben Süden Deutschlands zu Freunden. Und eine von uns ist sie noch lange nicht, dass wäre sie erst, wenn sie ihre letzte Bibel verbrennt und dem Verein endgültig abschwört. Was ich damit sagen will, nur weil der Ganove seine Schandtat zugibt, ist diese ungeschehen, sonst hätte man Egon Krenz nicht weggeschlossen. Ist zwar etwas ungleich, aber vom rein moralisch, christlich geprägten Standpunkt her betrachtet... Egal, trinken wir halt Wein.

    Zu deinem Schlusswort: Liebevoll formuliert, aber die Welt wäre noch besser dran, gäbe es statt eines Rechts auf Freiheit von Religion einfach gar keine (also keine Religion, NICHT keine Freiheit). Aber das ist nur ne persönliche Meinung.

    GeHIRN e.V., hahaha... Sich in Vereinen zu vereinen ist auch ne Alternative...

    Nun sindse wieder weg und im Dynamo-Stadion gips ne Schlager-Fatsche und das Ostragehege wird demnächst von Bon Jovi unheiligst verunreinigt - wie bunt Gottes Erde doch sein kann...

    PS: Die Lösung des Bilderrätsels ist wohl "Wolf im Schafspelz", sehr ansprechend illustriert! ;o)

    PPS: Wie man sieht liefern Posts in Romanlänge Steilvorlagen für Kommentare in Romanlänge. Stoff genug für nen Dieter-Wedel-Zweiteler im ZDF. Aber nur wenn Veronica Ferres mitspielen würde. Als Mutter Teresa. Und Heino Ferch als Egon Krenz. Ich ruf den gleich mal an!

    Ahoi!

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  7. Ach so, fällt mir noch ein passendes Zitat ein: Seelig sind die geistig Armen. Nicht Nietzsche, aber immerhin Asterix...

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  8. Asterix hat sicherlich Recht, auch wenn die Seligsprechung bei Matthäus und Lukas sehr freizügig wiedergibt. Gemeint ist es wohl ganz anderes. Die Bibel ist nunmal Weltliteratur deren Interpretationsmöglichkeiten schier unerschöpflich zu seien scheinen. Genau darum geht es: Nicht die Religion ist schlecht, sondern was man aus ihr macht. Vor tausend Jahren waren Richtlinien, die das miteinander Leben ermöglichen, gar nicht so verkehrt. Sie sind es auch heute noch. Ohne dem Islam würde es zum Beispiel da unten nur Leichenberge geben. Im Mittelalter hat die Kirche, zwar sehr zu ihren Gunsten, den Deckel auf dem Topf gehalten ohne dem alles übergekocht wäre. Ein Glaubenskrieg und ein Völkermord gehörten durchaus dazu um eine Region zu befrieden. Um so schlechter es großen Teilen einer Bevölkerung umso radikaler werden sie. Die Religion ist da nur Mittel zum Zweck. Yin und Yan, Gut und Böse, Hell und Dunkel oder Stark und Schwach. Das eine bedingt das andere.
    Mir persönlich wären kleine, regional begrenzte Wald- und Wiesenreligionen lieber. Der Glauben kann sehr hilfreich sein und kleinere Gruppen sind unattraktiv, wenn es um Macht und Geld geht. Denn darum gehts heutzutage ja nur noch. Die großen Volkskirchen würde es gar nicht geben, wenn sie sich an ihre Glaubensgrundsätze halten würden.

    Und genau das ist es, was den ganzen Laden so verabscheuenswürdig macht. Die scheren sich einen Teufel um ihr Statuten, tun scheinheilig und überschwemmen das Land mit ihren gehirnreduzierten Mißgeburten denen sie nichts im Leben gelassen haben als Verbote. Das nennen sie dann den rechten Glauben leben. Pfui Teufel!

    Christliche Grundsätze? Die gab es mal. Als die Evangelien aufgeschrieben wurden. Aber das war es dann auch schon.

    Der Gauck hat schon wieder einen Preis abgefasst. Wofür eigentlich? Dafür das er die Klappe hält? Hat der Akten beiseite geschafft, und erpresst jetzt die halbe Republik? Es würde mich nicht wundern.

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  9. Jan und Tini haste vergessen!

    Ansonsten: Sehr erwachsen analysiert. ;o)

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  10. Wen? Ach, so. Auf die Beiden gehe ich später noch näher ein. *g*

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