Untergehen ist das Eine, unter der Oberfläche bleiben das Andere. ;-)

Sonntag, 19. September 2010

Hausmitteilung – zum Bedenken


Nach gefühlten 200 Jahren Heißentsaften und stetigem Verköcheln ist es soweit: Der diesjährige Apfelgelee ist vollendet. Er zeichnet sich nicht nur durch die Konsistenz von Heizölkonzentrat aus, nein, er sieht sogar so aus und schmeckt vermutlich auch so. Aber! Und jetzt kommts: Er wurde aus einer uralten, vergessenen Apfelsorte bereitet, die durch meinen nimmermüden Forschergeist an einem noch geheimgehaltenen Ort wiederentdeckt wurde. Es ist zu vermuten, daß es sich dabei um den gemeinen Huulzappel (Malus koniferus cellulitis) oder einem seiner Ableger handelt.
Seine Schale ist fahlgelb bis -braun mit schwarzen Verwerfungen und erinnert an gut vermoderte Birkenrinde. Das Fleisch ist elfenbein bis grau, mit dunkelbraunen Äderchen durchzogen und dabei sehr fest strukturiert. Bouquet und Geschmack schreiten herb-fruchtig daher und vereinen sich in einer feinen Dieselölnote. Laut alten Kirchenbüchern wurde er auch als Düvels- oder Deifelsappel bezeichnet und war nach Epidemien, Kriegswirren und vom Apfelbaum fallen die vierthäufigste Todesursache unter der armen Landbevölkerung. Ganze Landstriche wurden bis ins 17. Jahrhundert von ihm entvölkert und dem Erdboden gleichgemacht. Davon zeugen noch heute Ortsbezeichnungen wie z.B. Plattstädt, Walzdorf, Hainroda, Licht(en)hain, Wüstenhain – wobei -hain/hein neben Apfelbaumgehölz auch für Gevatter oder Freund Hein, den Tod, steht – oder Kühle(Kahle)morgen wobei Morgen auf das Flächenmaß anspielt.
Dabei ist er keinesfalls giftig, aber extrem nährstoffarm und durch seinen hohen Zellulosegehalt eigentlich ungenießbar. Später erfreute er sich nur noch im Erzgebirge einer verhaltenen Beliebtheit. Aus ihm wurden vereinzelt Eierbecher gedrechselt, die fälschlicherweise als Schneeberger Aschenbecher in die Kunst- und Kulturgeschichte eingingen.
Alles in Allem zeigt der Apfel eine erfreuliche Bilanz auf, die nun in meinem selbstgebrauten Gelee gipfelt. Ein reines Naturprodukt, umweltverträglich gewachsen und vielleicht sogar als nachwachsender Rohstoff für die Energiegewinnung nutzbar. Dabei ist er kaum oder gar nicht mit Schadstoffen belastet, wenn man mal davon absieht, daß die Streuobstwiese zur Heumahd mit einem biodieselbetriebenen Rasenmäher plattgemacht wurde. Aber bei Biodiesel – da ist doch sogar der entstehende Feinstaub gesund.
Was will man mehr? Vielleicht ein paar Ökoschl... schneewittchen die mir die Bude einrennen und ...
Also: Wer will? Wer hat noch (sie) nicht (mehr alle)?

Kommentare:

  1. Als mir da ein Vers der legendären MTS einfällt:

    Einst sprach ein Prinz zu Schneewittchen:
    Mit sieben Männern
    in einem Raum pennen
    du bist mir ein ganz schönes
    Flittchen.

    Aber das nur am Rande. Kühlemorgen hat die Pest dahingerafft. Aber wir werden es früher oder später digital wiederbeleben. Und dann kann dort der Geleedealer wüst sein Unwesen treiben.

    -anonym (weil ja jezz geheim) [Nachricht zersört sich von selbst in 3... 2...]

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  2. 1 ... 0 ... BUFF! So ein Mist! Egal. Bei Kühlemorgen habe ich nur gegoogelt. Aber ob es nun die Pest war oder der gründlich mißlungene Versuch aus Wald- Ackerboden zu machen – wer weiß ...

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