Untergehen ist das Eine, unter der Oberfläche bleiben das Andere. ;-)

Samstag, 19. Mai 2012

Hausmitteilung – Besuch im Blog



Heute haben wir mal Besuch im Blog. Ein Nachwuchskünstler gibt uns die Ehre einen kleinen Einblick in sein aktuelles Schaffen zu nehmen. Obige Collage trägt den Titel »Sag ich dir doch nicht! Bäh!« und widmet sich der Umweltproblematik. Gekonnt arrangiert er unsere Wegwerfgesellschaft mit ihrem Konsumterror und verbindet Beides mit tiefsinniger Symbolträchtigkeit altertümlicher und moderner Stilistik einhergehend mit bewußt irreführender Typographie.


Natürlich konzentriert sich sein Wirken auch auf das allseits beliebte Thema »Kunst am Objekt«. Allerdings lehnt er einengende Konzepte dabei ab. Erst in der Gesamtheit von Raum und Zeit ließe sich so der Blickwinkel auf das Wesentliche verschärfen. In der sehr provokativen Installation »Gartenkunst – Werden und Vergehen« prangert er so rücksichtslos das sinnlose Schuften im Kleingarten zum Zwecke der Erholung und Entspannung an. Was heute grünt, ist morgen schon wieder vergammelt, dürfte die klare Botschaft sein, die dem Betrachter in das Gesicht springt.


Leidenschaftlich hat sich unser Performer der Aktionskunst verschrieben. Das Kuschelpferd – selbst im Einkaufsbeutel befindlich – wacht als Sinnbild kindlicher Naivität und Verführbarkeit hoch droben, als Flagge gehißt, über den Einkaufswagen. Gleichzeitig bietet sich ihm aber dort oben auch der Blick auf die höherpreisigen Waren in den oberen Regalfächern. Welch Widerspruch pointiert auf den Punkt gebracht! Das läßt auf eine steile Künstlerkarriere hoffen.



Dieses Mahn- und Denkmal erinnert an die vom Stein erschlagenen Geologen. Abrupt beendeter Forschergeist findet so kurz und kernig seinen Ausdruck. Das sich aushauchende Leben spiegelt sich in seinen Abschnitten wieder. Das erste Kuscheltier, die erste Lupe, das erste Baseballcape und das erste Handy: Knapper kann man ein erfülltes Leben nicht beschreiben. Der Stein wirft auch mit Fragen um sich: Wann ist mein Leben zu Ende? War es sinnvoll? Wenn ja, für wen? (Der Urheber des Werkes wurde mit einem Pfeil kenntlich gemacht.)



Produktdesign ist für ihn eher ein Abfallprodukt seiner Gestaltungskraft und Kreativität. Andere spielen in ihrer Freizeit Fußball oder musizieren in einer Band – er gestaltet eben Gebrauchsgegenstände zu seiner Erbauung. Im Moment testet er seinen »Erlkönig«, ein mobiles Funktelefon für Vorschulkinder auf seine Alltagstauglichkeit. Auf dem ersten Blick ist es von einem Speiseeis kaum zu unterscheiden. Das macht einen Sinn, ist es doch als Petze für den Undercovereinsatz in städtischen Kindertageseinrichtungen gedacht. Die Mutti zu Hause bleibt immer am Ball, während die bitterböse Erzieherin auf dem Spielplatz nichts ahnt und sich um Kopf und Kragen quasselt. Ein schöner Gedanke.

Unser Genie ist übrigens seine Exzellenz Nervzwerg der Erste und hört, manchmal, wenn er gut drauf ist, auf die bürgerlichen Namen Mauf! und Zwergie, und gehört zur Gattung der Stadtkobolde, wie man unschwer an seinen Ohren erkennen könnte. Die HfBK Dresden tut sich zur Zeit noch schwer damit, so einen aufsteigenden Stern zu immatrikulieren aber auf Dauer wird sie sich dem nicht verschließen können, wenn sie den Anschluß an den Zeitgeist nicht verlieren will. Hoffen wir für Beide das Beste und warten ab, was die Zukunft so mit sich bringt. Man darf, zu Recht, gespannt sein!

Kommentare:

  1. Und das bei einem geschätzten Wuchs von 1,28m (Höhe, nicht Tiefe)! Respekt. Hat er heute gleich eine "mir san mir"-Kotskulptur geknetet. Passend wäre es ja.

    Und Kunst im Edeka ist schon Kunst in der Kunst. Die ganz hohe Schule also. Avantgarde. Definitiv neue Cottaer Schule in der Tradition von Willi Sitte und KH Rumenigge.

    Demnächst: Schnegge in Golf, nee, Gold. Blauer Rand (die meisten Künstler müssen eine "blaue Phase" durchleben, wichtig!).

    Prosit Neujahr (nach dem tschechischen Maja-Kalender, glaupich)!

    AntwortenLöschen
  2. Heute hat er pausiert. Naja, nicht richtig. Er war in Klein-Welka im Saurierpark, gucken was die Konkurrenz an Plastiken zu bieten hat. Da er weiß, das Schnegge vom Tyrannosaurus Rex abstammt, gibt es sie wahrscheinlich bald in Beton gegossen. 6m hoch.

    AntwortenLöschen
  3. Wahrscheinlich. Für die blaue Phase ist er schlicht noch zu jung. *g*

    AntwortenLöschen
  4. Erst jetzt fällt mir ein ähnlich passender Titel Bild »Sag ich dir doch nicht! Bäh!« ein: »Finden Sie alle Qualitätsmarken von Lidl!«. Würde auch zur frühen Edeka-Phase des Künstlers passen. ;o)

    AntwortenLöschen
  5. Der ist selber so eine Qualitätsmarke. *g*

    AntwortenLöschen