Untergehen ist das Eine, unter der Oberfläche bleiben das Andere. ;-)

Mittwoch, 30. Juni 2010

Captain Yellowbeard

Gestern trieb mich eine geheimnisvolle Macht auf meinen Dachboden. Ohne zu wissen warum, hebelte ich dort ein Bodenbrett auf. Es war glatt und schwer wie eine alte Schiffsplanke. Darunter fand ich in einem Fetzen vergammelten Segeltuchs zwei Dinge. Eine Daguerreotypie und ein zusammengefaltetes Stück Papier. Seltsam. Bei dem Photo handelt es sich eindeutig um das Abbild einer uralten Kultstätte. (Ausschnittsvergrößerung)


Deutlich sind 4 Schädel und verschiedene wertvolle Opfergaben zu sehen. Auch die Eule, daß Sinnbild für Weisheit und Klugheit, ist klar zu erkennen. Sie symbolisiert dem Betrachter genau zwei Dinge. Entweder »Du bist erleuchtet!« oder »Du hast ein Ding an der Waffel«. Zweifellos handelt sich hier um den verschollenen Hauptaltar des mythischen Tuutuu-Kultes. Dieses Rätsel war also schnell gelöst.


Der Zettel bereitete mir da schon mehr Kopfzerbrechen. Unterzeichnet ist er mit dem Stempel des Korsaren Captain Yellowbeard. Über ihn ist so gut wie nichts bekannt geworden. Das mag in einem daran liegen, daß er unter verschiedenen Namen; wie Captain Bluebeard, Captain Redbeard, Captain Greenbeard und Captain Buntbeard sein Unwesen trieb, oder aber, weil er als Pirat ziemlich erfolglos war. Sein bürgerlicher Name lautet Dietrich von der Hasze, was ihn hinlänglich als einer meiner Urahnen ausweist. Von ihm ist nur überliefert, daß er eine sehr merkwürdige Art von Humor besaß, und daß er als Vorreiter der modernen Kunst gilt. Seine Skizzen sind bahnbrechend. Ihnen fehlt jede Form von Ästhetik und sie sind völlig unverständlich. Er wird auch als sehr früher Wegbereiter der Bauhausstils gehandelt. Alles in allem ist dieser Zettel also zweifellos echt. Aber was sagt er aus? Auf ihm ist rechts unten ein Pfeil mit einem Fragezeichen eingezeichnet. Ich kam zu dem Schluß, daß es sich um einen Joke des Captains handeln muß. Es kann sich nur um die minimalistische Darstellung einer Windrose handeln, wobei das Fragezeichen für ein N also Norden steht. Somit handelt es sich um einen Lageplan. Klar. So gesehen kommt mir vieles darauf bekannt vor. Die Bäume, Wege, Brücken und das fehlen von öffentlichen Toiletten – das kann nur mein Stadtteil sein. Der Plan bestätigte – eingenordet und mit aktuellen Kartenmaterial verglichen – meinen Verdacht. Aber auf was weißt er hin? Auf die verschollene Kultstätte? Auffällig an ihm ist nur, oben rechts, die Stelle, die von vier Pfeilen (?) eingekreist wird. Ein kleiner Ausflug heute führte mich dahin.


Sofort erkannte ich in der Skulptur den versteckten Hinweis auf den Schatz (?). Die Redewendung »Weiß der Geier!« oder »Das weiß der Geier!« wird ja Captain Yellowbeard als Urheber zugeschrieben. Also quetschte ich den Vogel aus. Seine Schutzbehauptung, daß er kein Geier sondern ein Flamingo wäre, lies ich nicht gelten und nach langwierigen Verhandlungen wies er mir den Weg zu der Stelle, wo ich ungezügelt graben sollte. Diese Unternehmung leitete ich natürlich sofort ein.


Eine Übersicht zeigt mein überlegtes und planvolles Vorgehen.
1: Das Grabungsfeld. Viel Wert lege ich auf ordentliches Ausgrabungswerkzeug. Von Profis für Profis. Was sonst?
2: Ein Fußball
3: Ein Fluchtwagen
4: Die Operationszentrale


Natürlich ließ ich das Gelände durch Einsatzkräfte der Deutschen Volkspolizei abriegeln. Diese legten mir freundlicherweise auch eine Telefondirektleitung zur nächsten Notaufnahme und zum Pizzadienst meines Vertrauens.


Ich brauchte gar nicht tief graben.


Da lagen sie. Die vier Schädel. Und sonst nix. Keine wertvollen Opfergaben. Captain Yellowbeards merkwürdige Art von Humor hat sich überraschend bestätigt. Der A...!!!

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