Untergehen ist das Eine, unter der Oberfläche bleiben das Andere. ;-)

Dienstag, 7. Dezember 2010

Der Boden der Realität kann so etwas von hart sein ... (Teil 3, 12/2006)


Weihnachtszeit, fröhliche Zeit ...

Großstadtdschungel, die selbe gemütliche Hinterhofküche mit einem Küchentisch, darauf zwei dampfende Töppe Kaffee und ein Aschenbecher. Sie schaut aus dem Fenster und er lehnt sich müde zurück.

»Ist das wieder ein Scheißwetter heute – Mensch, es regnet und regnet, der schöne Schnee taut weg und nächste Woche ist Heilig Abend. Da werden wir wohl wieder eine ›grüne‹ Weihnacht haben – schöne Scheiße!«

»Na und? Meine Tochter z.B. kennt die Feiertage eh nicht anders. Wieso saust du eigentlich nicht deine, sondern meine Küche ein? Paß doch auf, du kippst das ganze Mehl daneben.«

»Ach, das bißchen ist nichts gegen die Sauerei, die dein Enkel anrichten wird, wenn du mit ihm das erste mal Plätzchen bäckst. Im übrigen weißt du ganz genau, daß mein Backofen immer noch kaputt ist. Seit wieviel Monaten verspricht der Herr schon, da mal nachzugucken? Das bißchen Kleckerei ist nur ausgleichende Gerechtigkeit.«

»Beschreie es nicht! Meine Tochter ist erst Zwanzig. Die kann sich noch viel Zeit mit dem Kinderkriegen lassen. Wann bekommst du denn endlich mal ein Kind? Die Bio-Bombe tickt!«

»Geht jetzt nicht. Schwanger werden kann ich frühestens nächsten Sommer.«

»Wieso? Hat dein Kerl da noch einen Termin frei? Oder hat er sich dann von der letzten Session erholt? Wenn ich mich recht erinnere, war die im September.«

»Du Arsch! Nein, es geht nicht wegen der Arbeit. Da brennt die Luft. Mein Chef dreht völlig am Rad. Läuft wohl nicht so. Der hat uns schon das Weihnachtsgeld gestrichen, weil er mit den Raten für seinen Nobelhobel im Rückstand ist und sein Hausbau auch stockt. Blöderweise macht seine Tochter im Mai ihr Abi. Da muß er einen Audi rüberschieben. Irgendeiner muß ja die Kohle dafür verdienen. Also frühestens im Sommer.«

»Hm, ich weiß nicht, ob meine Schwester den Kinderwagen so lange für dich aufhebt. Der steht nur im Weg herum und verstaubt. Die Aleksa ist doch auch scharf auf ihn. Du weißt doch, wie schweineteuer die Dinger sind. Dein Chef wird dir keinen sponsern, auch wenn du ihm den Laden schmeißt. Die scheint auch schwanger zu sein.«

»Wer? Die Aleksa? Quatsch!«

»Keine Ahnung. Zumindest ist sie in letzter Zeit komisch unterwegs. Keine Spur von Erotik mehr bei ihr, dafür Schmuddelklamotten, ungewaschene Haare und irgendwie riecht die auch komisch. Schminken tut sie sich auch nicht mehr, setzt sich nur noch ein Kotzgesicht auf und meckert alle an – die kann nur schwanger sein.«

»Quatsch, die ist jetzt mit ihrem Kerl schon ein halbes Jahr zusammen. Da benimmt eine Frau sich so. Das ist normal, da muß sie nicht gleich schwanger sein. Dreh dich mal um und gehe in das hintere Fach, in dem du das Mehl hast und ...«

»Du, ich passe da nicht rein!«


»Blödmann! Klar, bei den ganzen Müll den du da drin hast! Kram doch einfach eine Tüte Mehl raus. Meins reicht für die Brezeln nicht mehr. Ich hab zu viel davon verkleckert. Bei denen muß ich ganz schmale Rollen machen, und zum rollen brauche ich Mehl. Danke wie gütig!«

»Irgendwie kommen mir die Dinger, die du hier fabrizierst, bekannt vor.«

»Klar, sind halt Brezeln. Was sonst?«

»Eher von der Machart her. Du, ich habe doch vorige Woche die Aleksa in den St. Debilius Stift zur Kloppidisko gefahren. Sie mimt dort jedes Jahr zur Weihnachtsfeier das Christkind. Spaß mit Behinderten oder so was. Die Probanden dort müssen sich ihre Brezeln ja auch selber basteln, und die sahen genauso zerknautscht aus wie deine hier.«

»WEIßT DU, WAS DU BIST?! Weißt du das?! Ach, egal. Außerdem kannst du das eh nicht beurteilen. Du siehst doch nichts, du Blindfisch!«

»Auf die Entfernung schon, und nächste Woche bekomme ich meine Brille!«

»Du mit Brille? Wie soll denn das aussehen? Na, ich weiß nicht.«

»Mußt du auch nicht. Ich setze sie mir bei dir eh nicht auf.«

»WIE JETZT?«

»Nein, nicht was du denkst. Kennengelernt habe ich dich vor zehn Jahren. Damals waren meine Augen noch in Ordnung. So schlimm war es nicht, und so sehr kannst du dich nicht verändert haben.«

»AAABBEERR?!«

»Na, wenn man mit Brille in DEINE Küche kommt ... mannohmann!«

»SADIST!«

Und schlagartig hörte es auf mit regnen.

Kommentare:

  1. fuck ich hab nen bug... ich schmier immer während der kommentare ab...

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  2. Macht nix. Ich denke mir einfach was aus und fühle mich ehrenwert kommentiert. *g*

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  3. Noch ein Versuch...

    Mir fiel eigentlich nur auf, dass es heute weniger Sinn als früher macht, Brezeln oder sonst was zu backen, wo es schon ab September leckeren Spekulatius im Supermarkt gibt. Da kann man bis zur Adventszeit einen schönen Vorrat anhäufen. Vor allem jetzt, da die kleinen Preise wieder da sind...

    Ich würde dem Browser danken, wenn er jetz nicht abstürzt, diese miese Rinde...

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  4. Apropos miese Rinde: Das Plätzchenbacken ist sicher eine Form der Selbstkasteiung, als Folge einer kindlichen, posttraumatischen Belastungsstörung die ein nachhaltig schlechtes Gewissen erzeugt. Heilig Abend bekam man ja von jedem Verwanden einen Gabenteller mit irgendwelchen Plätzchen geschenkt, die nach irgendeinem geheimen Rezept, von irgendeiner uralten und längst verstorbenen Oma gebacken wurde. Die Dinger waren heilig und mußten eigentlich andächtig genossen werden, wurden aber zu Ostern in die Tonne gekloppt, weil man das Zeug einfach nicht mehr sehen, geschweige denn essen konnte. Natürlich erzeugte dieses Sakrileg ein Schuldgefühl, was man als Erwachsener durch diverse Backorgien zu bewältigen versucht.

    Also, mir reichen auch Spekulatius aus der Lagerhalle nebenan. *g*

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  5. Aha, Enkel-Chaos? Na, das hatten wir gerade hinter uns gebracht.Zu Deinem Post hatte ich eine zündende Idee und stelle diese als Kinderlied, das ich einst in den 90er Jahren zusammen mit meiner Tochter singen durfte, einfach mal ein:


    In der Weihnachtsbäckerei
    gibt es manche Leckerei.
    Zwischen Mehl und Milch
    macht so mancher Knilch
    eine riesengroße Kleckerei.
    In der Weihnachtsbäckerei,
    in der Weihnachtsbäckerei.

    Wo ist das Rezept geblieben
    von den Plätzchen, die wir lieben?
    Wer hat das Rezept verschleppt?
    Na, dann müssen wir es packen,
    einfach frei nach Schnauze backen.
    Schmeißt den Ofen an und ran.

    Brauchen wir nicht Schokolade,
    Honig, Nüsse und Sukkade
    und ein bißchen Zimt?
    Das stimmt!
    Butter, Mehl und Milch verrühren,
    zwischendurch einmal probieren
    und dann kommt das Ei: Vorbei!

    Bitte mal zur Seite treten,
    denn wir brauchen Platz zum Kneten.
    Sind die Finger rein?
    Du Schwein!
    Sind die Plätzchen, die wir stechen,
    erst mal auf den Ofenblechen,
    warten wir gespannt:

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  6. Feiern wir also 4 Jahre klare Bilder oder den immer noch ausgebliebenen Durchblick? Über den Rest hat sich vorbildlich folgenlos das Moos der Geschichte geschmiegt. Eigentlich immer wieder ein Grund zu Feiern, oder?

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  7. @ Jürgen: Nein, nichts mit Enkelchaos. Aber ich wohne ja mit so einem Kobold im entsprechendem Alter zusammen. An ihm werde ich schon mal üben und das Lied an ihm ausprobieren. *g*

    @ Frau R-W-E: Ja, es könnte schon wieder 4 Jahre her sein. Aber darf ich dich daran erinneren, daß meine Texte viel mit der Realität aber nichts mit uns zu tun haben? Wenn ich die Bloggerwelt reif geschossen habe, gedenke ich sie ja in das Minenfeld von Teil 7 bis 11 zu führen. Stell dir vor, ich kann mich dann vor Anfragen kaum retten, bin hilfsbereit, und rücke deine Telefonnummer raus? Na also. Aber feiern ist eine gute Idee. Zur black Celebration müssen wir eigentlich nur einen kleinen Strampler mit einem Rotstift darauf besorgen. *g* Eine Telefonnumer können wir ja beilegen.

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  8. Wie bitte soll das Thema Schwangerschaft was mit uns zu tun haben?
    Das mit der Telefonnummer kannst Du vergessen.Ich vergess doch das Funkgerät immer bei dir. Außerdem: Winter ist Baumarktzeit. Wie klingt denn das, wenn die freundliche Stimme des Ladenfunks verkündet: Frau Rot-Weiß-Erfurt bitte zum Telefon!
    Das können wir niemandem zumuten.

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  9. Und das in 52 Baumärkten plus ein mal IKEA gleichzeitig, weil keiner weiß, in welchem du gerade bist. *g* Geht nicht, hast recht.

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  10. Die sprechen doch niemals einen Namen im Baumarkt aus. Das hört sich im besten Falle so an:
    Die 39 bitte in die 15.
    Oder so.

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  11. Oder so: Die RG-28 bitte in die Küche. *breitgrins*

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