Untergehen ist das Eine, unter der Oberfläche bleiben das Andere. ;-)
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Samstag, 19. Mai 2012

Hausmitteilung – Besuch im Blog



Heute haben wir mal Besuch im Blog. Ein Nachwuchskünstler gibt uns die Ehre einen kleinen Einblick in sein aktuelles Schaffen zu nehmen. Obige Collage trägt den Titel »Sag ich dir doch nicht! Bäh!« und widmet sich der Umweltproblematik. Gekonnt arrangiert er unsere Wegwerfgesellschaft mit ihrem Konsumterror und verbindet Beides mit tiefsinniger Symbolträchtigkeit altertümlicher und moderner Stilistik einhergehend mit bewußt irreführender Typographie.


Natürlich konzentriert sich sein Wirken auch auf das allseits beliebte Thema »Kunst am Objekt«. Allerdings lehnt er einengende Konzepte dabei ab. Erst in der Gesamtheit von Raum und Zeit ließe sich so der Blickwinkel auf das Wesentliche verschärfen. In der sehr provokativen Installation »Gartenkunst – Werden und Vergehen« prangert er so rücksichtslos das sinnlose Schuften im Kleingarten zum Zwecke der Erholung und Entspannung an. Was heute grünt, ist morgen schon wieder vergammelt, dürfte die klare Botschaft sein, die dem Betrachter in das Gesicht springt.


Leidenschaftlich hat sich unser Performer der Aktionskunst verschrieben. Das Kuschelpferd – selbst im Einkaufsbeutel befindlich – wacht als Sinnbild kindlicher Naivität und Verführbarkeit hoch droben, als Flagge gehißt, über den Einkaufswagen. Gleichzeitig bietet sich ihm aber dort oben auch der Blick auf die höherpreisigen Waren in den oberen Regalfächern. Welch Widerspruch pointiert auf den Punkt gebracht! Das läßt auf eine steile Künstlerkarriere hoffen.



Dieses Mahn- und Denkmal erinnert an die vom Stein erschlagenen Geologen. Abrupt beendeter Forschergeist findet so kurz und kernig seinen Ausdruck. Das sich aushauchende Leben spiegelt sich in seinen Abschnitten wieder. Das erste Kuscheltier, die erste Lupe, das erste Baseballcape und das erste Handy: Knapper kann man ein erfülltes Leben nicht beschreiben. Der Stein wirft auch mit Fragen um sich: Wann ist mein Leben zu Ende? War es sinnvoll? Wenn ja, für wen? (Der Urheber des Werkes wurde mit einem Pfeil kenntlich gemacht.)



Produktdesign ist für ihn eher ein Abfallprodukt seiner Gestaltungskraft und Kreativität. Andere spielen in ihrer Freizeit Fußball oder musizieren in einer Band – er gestaltet eben Gebrauchsgegenstände zu seiner Erbauung. Im Moment testet er seinen »Erlkönig«, ein mobiles Funktelefon für Vorschulkinder auf seine Alltagstauglichkeit. Auf dem ersten Blick ist es von einem Speiseeis kaum zu unterscheiden. Das macht einen Sinn, ist es doch als Petze für den Undercovereinsatz in städtischen Kindertageseinrichtungen gedacht. Die Mutti zu Hause bleibt immer am Ball, während die bitterböse Erzieherin auf dem Spielplatz nichts ahnt und sich um Kopf und Kragen quasselt. Ein schöner Gedanke.

Unser Genie ist übrigens seine Exzellenz Nervzwerg der Erste und hört, manchmal, wenn er gut drauf ist, auf die bürgerlichen Namen Mauf! und Zwergie, und gehört zur Gattung der Stadtkobolde, wie man unschwer an seinen Ohren erkennen könnte. Die HfBK Dresden tut sich zur Zeit noch schwer damit, so einen aufsteigenden Stern zu immatrikulieren aber auf Dauer wird sie sich dem nicht verschließen können, wenn sie den Anschluß an den Zeitgeist nicht verlieren will. Hoffen wir für Beide das Beste und warten ab, was die Zukunft so mit sich bringt. Man darf, zu Recht, gespannt sein!

Mittwoch, 29. Juni 2011

98,6° Fahrenheit – Zeit für Unfug




Erstmal das längst überfällige Vidscho vom Wellenhuhn. Schnegge verhält sich darauf, wie eine normale Frau. Die tut nur schüchtern, hat aber Blut geleckt und bleibt bei mir. Die haut einfach nicht ab. Keine Chance. Der guten Frau gewähre ich den lieben, langen Tag Freiflug, wie es sich gehört. Den lieben langen Tag, auch Nachts, halte ich die Fenster für Paradiesvögel offen. Sie könnte also, wenn sie denn wollte, sang- und klanglos verschwinden, wie es sich auch gehört und sich eventuell einer Katze hingeben. Genug davon lungern ja im Garten herum. Aber die Kirsche denkt gar nicht daran und hält stur die Stellung. Mistvieh.


Von meinem Profi-Einkäufer gibts nix neues. Wie gehabt – eine Hand an der Kippe, die andere am Steuer, beobachtet er aufmerksam den Verkehr. Nur der Fußgängerüberweg ist ein anderer. Der Knabe könnte übrigens mit seiner Barttracht in jedem kaiserlich-österreich-ungarischen Film mitspielen. Als Kaiser persönlich oder als sein Hauptoberförster. Herrlich dieser Anblick. Da buddeln die Archäologen wie die Blöden nach Fossilien, dabei laufen die hier in DD-Cotta über die Straße. Wenn der – sagen wir jeden Morgen 9.00 Uhr – die Straße quert, könnte man eine Touristenattraktion daraus machen und Reisegruppen herlotsen. Oder wir gießen den Knaben in Bronze und verkaufen das Denkmal dem Edeka. Da ist noch alles offen.


Mein Wackelaugenkaktus hält seine Jahresruhe. Vor Ostern 2012 macht der die Augen nicht wieder auf. Um diese Jahreszeit wird er nur heilig. Er blüht still vor sich hin und lockt Bienchen an. Das erinnert mich irgendwie an was.


Genau. Nein, nicht direkt an verlassene Kinderwagen, aber so ungefähr. Vorher. Ach egal. Jedenfalls müssen die Eltern des Kindes, dem dieser Wagen gehört, einen mächtigen Treffer weg gehabt haben. Oder die waren auf der Flucht. K. A. Hoffentlich haben sie ihr Kind nicht auch irgendwo vergessen. Im Lidl womöglich. Das wäre hart für das Kleine, denn Sonntags macht der Laden zu.


Wenn das Haus in dem ich wohne mal zusammenfällt oder aus anderen Gründen unbewohnbar wird, habe ich schon eine Alternative gefunden. Bei dem Klingelschild brauche ich mir die Wohnungen gar nicht erst angucken. Das paßt schon. *g*


Das war glaube ich zum Kirchentag. Ein schönes Bild. Mit ihren Kuscheltieren bewaffnet, könnte man meinen, die sind beim Bund oder nach Wacken unterwegs. Oder beides.


Der fährt nicht nach Wacken sondern wahrscheinlich auf eine LPG im Osten. Zumindest muß der Fahrer dieses LKWs Landmaschinen- und Traktorenschlosser in der DDR gelernt haben. Den ihr Ersatzteillager in der MTS bestand ja nur aus einer Rolle Draht. Allerdings war das damals nur Weidedraht. Wenn die alle war, war auch die Ernte vorbei. Im Winter hatten sie dann genug Zeit, um sich neue Motoren zu feilen.


Gut, die Parole wurde in einem etwas unbekümmerten Deutsch verfaßt, aber der gute Wille ist erkennbar und manchmal reicht eben auch eine kleine, liebgemeinte Geste. Darüber befindet sich die freie, linksautonome Ausleih- und Kopierstation um entsprechende Aktionen musikalisch untermalen zu können. Wie man sieht, wird sie gut genutzt. Was nur Insider wie ich wissen ist, daß sich auf der CD ganz rechts eine modifizierte Form des Stuxnet-Wurms befindet. Man muß ihn nur aktivieren – Username: PENGuin, Paßwort: perfect World – und ihn die IP- oder Webadresse von dem Laden geben, den man lahmlegen möchte. Das Programm wurmt sich dann dort ein und erkennt selbständig, was sich machen läßt. Allerdings sollte man dann seinen eigenen Rechner schleunigst vom Netz trennen. Nach getaner Arbeit will der Wurm wieder nach Hause. Ein Bug, der noch behoben werden muß.


Der Kobold ist gerade dabei den Designpreis 2011 für Kindertelefone abzuräumen. Auf so etwas funktionales und unkonventionelles kommen die Kreativlinge aus der einschlägig bekannten Branche natürlich nicht. Da studieren die Herren und Damen bis zur Profilneurose im Endstadium und was kommt bestenfalls dabei raus? Ein rechteckiges Nichtssag, was der Fernbedienung für die Glotze zum verwechseln ähnlich ist. Was habe ich mit der schon angerufen ... Egal. Des Kobolds Wunderwerk ist prägnant und unverwechselbar. So sollte Industriedesign auch sein.


Hier mußte ich natürlich sofort präzise und überlegt handeln. Der Heini im Erdgeschoß war ersteinmal völlig verdattert, als ich bei ihm Sturm klingelte und ihn davon in Kenntnis setzte, das sich jemand über ihn aus dem Fenster stürzen will. Ich dachte schon, er wäre mit dieser Situation völlig überfordert – immerhin sah der aus wie ein Sozialpädagoge – aber nein, er griff ohne Rückfrage und ähnliche Fisimatenten zum Telefon und alarmierte die Polizei, die Feuerwehr, den Krankenwagen und seine Mutti. Damit sah ich meine Aufgabe als erledigt an und verkrümelte mich. Erstens kann ich kein Blut – mein eigenes – sehen und zweitens hatte ich vergessen, zu Hause das Bügeleisen auszumachen.



Komisch. Jetzt hängen dort im Viertel überall diese Plakate. So ganz unähnlich sieht mir das darauf abgebildete Konterfei nicht. Gut, wenn man bedenkt, daß der Heini mich nur ganz kurz gesehen hat, kann man das Werk als gelungen betrachten. Aber eine öffentliche Danksagung sieht anders aus. Da werde ich wohl sicherheitshalber meine Kreise woanders ziehen, auch wenn ich nie erfahren werde, was der Knabe von mir will.


Was haben wir noch? Ach ja, es stimmt schon: Man sieht sich im Leben immer zweimal. (Ach, du Sch...!!!) Auch wenn die letzte Begegnung fast 40 Jahre her ist. (Dann wäre der Heini schon jenseits jeglichen Erinnerungsvermögens ...) Meine zwei Kuscheltiere haben ihren Weg zu mir zurück gefunden. Freude. Aber wer sein frühkindliches Leid, seinen Schmerz aber auch seine Freude, mit zwei Gesellen aus Hartplaste geteilt hat, der geht, so wie ich, dem Leben vorbereitet und gestählt entgegen. Außen eine eherne, rauhe Schale und innen ein weicher Keks – daß ist das Material aus dem Kämpfer geformt werden. Hartgesottene Naturburschen die ohne ihre Kuscheltiere aus steifen Polyäthylen – ihren Fels in der Brandung – in den Wogen des Lebens hoffnungslos untergehen würden. Ich danke Euch! Ohne Euch wäre wohl nix aus mir geworden.

Sonntag, 1. Mai 2011

Hausmitteilung – zur Maifeierlichkeit


Auch in diesem Jahr ist es mir gelungen, durch mehrere Wirkungstreffer die linksautonome Häuserkampfbrigade Dresden-West bei ihrer traditionellen Maifeierlichkeit in die Flucht zu schlagen, und damit des Stadtkoboldes (Kampfname: Mauf!) Fuhrpark vor dem Abfackeln zu bewahren. Ruhm und Ehre der klassischen Gefechtsausbildung der bewaffneten Organe der DDR!

Hier noch ein Augenzeugenbericht von der leider erfolglosen Verfolgungsjagd:

Montag, 13. September 2010

Kochen mit »Connie« (1)

Gerade läuft auf 3sat ein Dokumentation über den Chaos Computer Club. Rechner, entschlüsselte Datencodes und ein toter Hacker. Das erinnert mich irgendwie an meine Küche. Zum letzten Seemannssonntag hatten wir so etwas ähnliches. Lasagne mit Hackfleischfüllung und Spinat nach einem Rezept aus dem Internet. Der Grundgedanke für dieses Menü ist wenig spektakulär aber so, wie der Autor sich das gedacht hat, ging das gar nicht.


Nach kurzer Rücksprache mit »Connie« (unternormalnull.blogspot.com berichtete am 28.10.2010) stuften wir es als ungenießbar ein und entwarfen einen schon bewährten Schlachtplan. Lasagne und Hackfleisch sollten bleiben – das Zeug war schließlich gekauft – aber der Rest anders zubereitet werden. Nur zur Kontrolle baute »Connie« trotzdem eine Verbindung zum Internet auf, um ihre eigene Bibliothek mit anderen Beständen zu vergleichen.


Wider Erwarten hakelte die Verbindung etwas, ihr Pufferspeicher schien überfüllt zu sein, so daß »Connie« nur stotternd Erklärungen geben konnte. Was aber nicht weiter tragisch war. Immerhin bin ich durch Tantchens Kochschule getrieben worden und kann damit jedes Rezept so decodieren, daß ich weiß, was gemeint ist und danach flexibel operieren.


Als erstes werden fix zwei Zwiebeln geschnippelt und in etwas Öl glasig gegart. Das Hackfleisch wird darin gebraten, bis es graubraune Krümel bildet. Von wem das Hackfleisch ist, ist dabei völlig egal. Ob Schwein, Rind, Elch oder Regenwurm – es wird eh in passierten Tomaten ertränkt, so daß es keinen Eigengeschmack mehr entwickeln kann. Es müssen nur ungefähr 1000g sein um eine Sättigungsgrundlage bilden zu können. Ich rechne im Schnitt mit: Einen Mann (ich), Connie, Frau Rot-Weiß-Erfurt, vier Frauen, eine Verdichteranlage (The Black Hole), zwei bis drei neunköpfigen Raupen und einen Mauf!. Das macht genau 6,5 Personen.
Das Krümelfleisch mit etwas Mehl bestäuben und weiter braten, bis alles knusprig braun ist. Jetzt kommt die Pappe mit den passierten Tomaten, etwas Tomaten- und Paprikamark sowie diverse Gewürze dazu. Unter diversen Gewürzen verstehe ich: Paprika (edelsüß und scharf), Oregano, Basilikum und was sonst noch irgendwie italienisch klingt, Vegeta, Salz, Pfeffer, Knoblauch, eine Prise Zucker und etwas Currypulver. Ein Schuß Zitrone und ein Spritzer Worcestersoße kann nicht schaden, und wer etwas Schlagsahne übrig hat, kann die auch mit reinwerfen. Diese mildert den Geschmack wieder und rundet ihn ab. Ansonsten gilt: Nur keine Scheu beim Würzen! Nichts ist schlimmer als fades Essen – es wegschmeißen und in die Dönerbude gehen kann man immer noch.
Womit wir beim Spinat wären. Es ist einfach Unfug diesen mit zu verwenden. Der Geschmack der Bolognese (aufkochen nicht vergessen) ist so intensiv, daß dieses Grünzeug einfach geschmacklich untergeht. Der schliert nur vor sich hin. Die paar Vitamine kann man sich getrost sparen, und daß er besonders viel Eisen enthält stimmt nicht. Da kann man auch an einer Feile lutschen – der Nutzeffekt ist derselbe. Rein optisch bringt er auch keine Punkte. Es sei denn, man steht darauf, daß sein Essen aussieht wie frisch verwest. Den Schmadder also auf kleiner Flamme aufkochen, mit Salz und Pfeffer abschmecken und dann, in einem unbeobachteten Moment, weg damit! Dieser kam aber nicht. Die Rezeptvorschlägerin war zwar kompromißbereit, was die Technologieänderungen betraf aber über den Spinat wachte sie unerschütterlich.


Selbst das Ablenkungsmanöver mit dem Servicetechniker hat nicht geklappt. »Connies« Pufferspeicher wurde zwar von ihm geleert, so daß sie wieder fließend sprechen kann, aber den Spinat konnten wir nicht entsorgen. Egal. Ach ja, die Lasagneplatten pflegen wir vorzukochen. Das muß man nicht tun, aber so ist alles im Ofen schneller gar.


Jetzt fehlt noch die Soße, mit der die Lasagne verfüllt werden soll. Dazu bereitet man eine einfache Mehlschwitze zu und rührt langsam etwas Milch darunter.


Immer schön rühren und aufkochen lassen, damit sich keine Klümpchen bilden. Ergeben sich doch welche, ist das auch kein Grund zur Panik. Immerhin könnten es Mehlwürmer sein. Diese garantieren ja, daß es sich um eine hochwertige Komponente handelt. Auch Würmer sind nur Gourmets – die fressen auch nicht alles. Früher wurden die Mehlsäcke je nach Anzahl des enthaltenen Gewürm mit Kreuzen von eins bis fünf gekennzeichnet. Ein Kreuz stand für fast keine Maden – also für schlechte Ware und fünf für besonders viele – also 1A Mehl. Überhaupt wurde damals alles mit Kreuzen beschmiert. Sogar mit verschiedenfarbigen um die jeweiligen Inhaltsstoffe zu unterscheiden. Aus den Kreuzen wurden später Kreuzel und daraus Sterne. Dieser Brauch hat sich bis heute im Gaststätten- und Hotelgewerbe gehalten.


Wen der Sud an Berliner Holzkaltleim erinnert, hat so unrecht nicht. Es ist ungefähr dasselbe. Nur das der Leim nicht mit Muskat, Salz und Pfeffer abgeschmeckt werden muß. Aber seinen Schuppen kann man damit auch reparieren.


Deshalb müssen gebrauchte Schüsseln, Töpfe und Frauen sofort abgewaschen werden. Nicht, daß die zusammenkleben! Womit wir bei der optimalen Küchenbesatzung wären. Als günstig hat sich das Verhältnis 1:1 erwiesen. Pro Quadratmeter Küche plane man eine Frau. Plus einen Mann, der den Überblick behält und sie pädagogisch behutsam anleitet. Dabei müssen die verschiedenen Aufgaben von ihm vorher klar verteilt werden. Bei mir gestaltet sich das folgendermaßen: »Connie« ist mein Stellvertreter. Mein erster Offizier sozusagen. Ihr unterstehen zwei operative Einsatzkräfte direkt in der Küche. Um »Connie« nicht zu überfordern, leite ich darüber hinaus den mobilen Rückwärtigen Dienst. Also die Frauen, die an die Tür stürmen, wenn es klingelt, die den Müll herunterschaffen, die Treppe kehren oder die noch schnell einkaufen gehen müssen, wenn etwas fehlen sollte. Dieses Konzept hat sich bewährt und ist sehr zur Nachahmung empfohlen.


Für die Füllung braucht man noch ein Päckchen Schafskäse. Schafskäse! Also keinen in Salzlake gereiften Kuhmilchkäse. Mit dem kann man vielleicht Allgäuer Kellerfenster kitten, wenn der Winter hart zu werden droht, aber essen kann man den nicht. Auch nicht in einer Spinatlasagne. Obwohl – wenn man da statt Nudelplatten gebrauchte Bierdeckel nimmt, schmeckt dazu auch Kuhmilchfeta. Den Schafskäse also einfach reiben.


Normalerweise ist so etwas eine Todsünde: Zwei verschiedene Geschmacksrichtungen einfach zusammenschichten. Das geht gar nicht. Korrekt wäre gewesen, erst den Tomatenpapps mit einer Schicht Lasagneplatten abzudecken und dann erst den Spinat draufzuschmieren. Aber da man den Spinat nicht schmecken kann und soll, ist es richtig, ihn gleich mit in die Bolognese zu mischen. Darauf etwas Schafskäse und die Muskatleimsoße.


Die vorgekochten Platten folgen, Schicht für Schicht den Rest auftragen, bis die Ressourcen erschöpft sind. Statt der Spinatfüllung hätte ich gern meine Pilzkäsesahnesoße genommen. Die geht ganz einfach: Etwas Butter in einen Topf und 2-3 Eßlöffel mit Mehl darin anschwitzen. Dazu kommen Champions aus der Dose, Milch, Salz, Pfeffer, Kümmel, Zitronenthymian und eine Handvoll getrocknete Pilze. Ausreichend Schmelzkäse dazu. Ausreichend sind pro kleine Dose Pilze ein Päckchen Schmelzkäse. Ich verzichte mit Absicht auf genaue Mengenangaben. Zum Kochen benötigt man Gefühl, Einfühlungsvermögen und Augenmaß. Wie man Gewürze abwiegt, lernt man in der Großküche.


Und wie man diese wieder saubermacht.


Abschließend wird das ganze vorerst mit einer Schicht saurer Sahne versiegelt - warum auch immer, keine Ahnung – und in den vorgeheizten Ofen (180°C) geschoben.


10 Minuten Raucherpause und kurze Manöverkritik. Alles in Allem hat alles gut geklappt, und ich kann zu Recht stolz auf meine Mädel sein – wie jeden Donnerstag. Aber etwas Bildung muß noch sein, und ich erzählte ihnen, daß man früher – auf hoher See – die Mehlmaden aus den Schiffszwieback bekam, indem man ihn auseinanderbrach und ihn einfach auf der Planke ausklopfte. Der Glückwunsch »Toi, toi, toi« und dem damit verbundenen dreimaligen Klopfen auf Holz stammt aus dieser Zeit und davon ab. Ich erntete wahre Begeisterung über diesen Shantie aus längst vergangener Fahrenszeit. Was tut man nicht alles für seine Frauen.


Zu guter Letzt muß noch der Reibekäse auf die Lasagne verbracht werden. Der Einfachheit halber kommt er diesmal gleich aus der Tüte. Ganz normaler Kuhmilchkäse reicht völlig. Der kann sonstwo gereift sein. Von mir aus auch unter Tage in einem Kalisalzbergwerk. Ideal ist da Tilsiter- oder auch Emmentaler Käse. Er muß nur im Ofen eine schöne braune Kruste bilden können und darf nicht nur verlaufen, Blasen schlagen und schwarz werden. Man kann schummeln, indem man etwas Kaffeesahne über den Käse tröpfelt. Diese simuliert aber nur den gewünschten Effekt.


So sah das Gemeinschaftskunstwerk dann aus. Vor dem Hitzschlag ...


... und so danach. Naja, ganz lecker war es schon. Trotz der grünen Pampe. Blattspinat wäre besser gewesen. Oder Löwenzahn. Aber den muß man anbraten bevor man ihn wegschmeißt.

Samstag, 28. August 2010

Regenwetter – Zeit für Unfug


Welcher sorgfältige Heimwerker kennt das nicht? Da verweilt man gerade erst 3h vor dem Schraubenregal, wägt ab, prüft, kombiniert und komponiert immer neue Variationen der auserlesenen Kleinteile, um das heimige Projekt abschließend krönen zu können, da verliert die eigene Schrecksch... äh Frau die Nerven und verlangt kreischend nach dem Heimweg. So massiv gestört, kann sich kein Mann mehr konzentriert seinem Lebenswerk widmen. Das geht selbst mit jahrzehntelanger Erfahrung im autogenen Training dritten Grades nicht. Welch' geniale Regalkonstruktionspläne sind so wie bunte Blasen an der Realität, sprich Eheweib, zerplatzt, zerschellt und pulverisiert worden. Aus der Traum von der durchdachten Blumenbank, die, bei optimalen Lichteinfall, die Nachbarn grün vor Neid erblassen läßt, oder von dem massiven Raumteiler, der sich bei Bedarf auf Knopfdruck langsam gleitend, fast unsichtbar aber unüberwindlich, zwischen das Ehebett schiebt. Alles ungeschraubt bleibende Dinge nach denen die Welt giert, ihr aber vorenthalten werden, weil es den Frauen am Verständnis für metrische Gewinde fehlt.
Diese Problematik ist zwar jeder Baumarktleitung seit der Einführung der Langhausbauweise bekannt, aber erst jetzt wurde eine gut alte, aber unorthodoxe Lösung dafür wiederentdeckt. Am »Komm-gut-nach-Hause!«-Servicepunkt (Bild oben) kann jede Frau ein Shuttle nicht nur kostenlos nutzen, sondern auch der netten Vettel von Nebenan als Werbegeschenk vor die Haustür stellen.


Ein Gedanke, den andere Einkaufsmärkte dankbar aufgenommen haben. Hier läßt man sich das Utensil allerdings etwas kosten. Eine kleine Summe, die der vorausschauende Mann für seine Frau unbedingt investierend sollte. Auf den ersten Blick bekommt man scheinbar das gleiche Shuttle wie im Baumarkt. Den Mehrwert stellt das integrierte Navigationssystem dar. Für die Benutzerin nicht erkennbar, ist als feste Zieladresse »Wüste – da wo der Pfeffer wächst.« vorgegeben.


Da, wo es nur Pfeffer gibt, ist die moderne Küche nicht weit. Oder deren Helfer. Ich gebe zu, daß ich ohne eine Küchenhilfe ziemlich aufgeschmissen wäre. Aber für 1,99 Euro? Was ist denn das für ein Billigpfusch? Oder ist das die Leasingrate? Bei sekundengenauer Abrechnung? So ein Pfeffer! Eine Küchenhilfe muß so sein, wie meine eigene: Unbezahlbar! Die Frau die nach dem RG 28 kam. Codename »Connie«. Sie wurde von Haus aus multifunktional mit verschiedenen Adaptern ausgestattet, die miteinander kombinierbar sind aber trotzdem autonom arbeiten.


Stellvertretend dafür sieht man hier den Einsatz des Teigknet- und -formzubehörs im Außeneinsatz. Dieser ist problemlos möglich, weil sie nicht nur spritzwassergeschützt, sondern auch bis in eine Tiefe von 20m wasserdicht ist. Was dem Entwicklerteam als unnötiger Pfeffer angekreidet wurde. Denn, wer will schon mit seinem Küchengerät baden gehen? Erwähnenswert ist noch ihre sehr umfangreiche Rezeptdatenbank die bei Bedarf, falls doch die eine oder andere Lücke klaffen sollte, automatisch eine Verbindung zum Internet aufbaut und ihre Datensätze in bestehenden Bibliotheken ergänzt. Dabei nutzt sie ausgeklügelte Suchalgorithmen so, daß bestehende Ressourcen entsprechend abgewandelt neu kombiniert werden können. Überhaupt handelt ihr System intelligent nach Grundrichtlinien. Eine davon ist, zur Pflege und Wartung ihre eigene Wohnung aufzusuchen. Wie gesagt, ich bin sehr zufrieden.


Im Moment fliegt sie gerade für 2 Monate zur Jahresüberholung in den Urlaub. Das ist zwar für mich bitter, aber ich hoffe, daß sie im Spreewald beim Paddeln ausreichend Gelegenheit findet um mal richtig auszuspannen.


Die heutige Grillparty werde ich also alleine schmeißen. »Connie« hat mir noch fix dazu einen Einkaufszettel geschmiert. Genau so ein Machwerk, wie es nur eine Frau verzapfen kann, die momentan keine Freude an ihrer Arbeit empfindet und mit ihren Gedanken schon in den Ferien ist. Was soll ich damit anfangen? Gut, er ist übersichtlich gegliedert und enthält nicht mehr Stichpunkte als ein Mann gleichzeitig erfassen und abarbeiten kann. Das erspart mir das Zerschneiden des Zettels in mehrere Teile. Aber er enthält keinerlei Mengen- und Herstellerangaben. Somit ist er für mich unbrauchbar. Außerdem: Was soll ich mit Cornflakes und Knoppers? Die Gäste damit bewerfen?


Die erwarten sowieso nichts Umwerfendes von mir. Auch nicht, daß ich wegen ihnen grille. Es sind mir die liebsten, weil pflegeleichtesten Besucher. Sie sind immer pünktlich, genügsam, lassen nichts mehr anbrennen oder umkommen und halten ansonsten die Klappe. Man kann sich mit ihnen beschäftigen, muß es aber nicht. Die liebe Verwandschaft eben. Unsterblichkeit kann für die Hinterbliebenen auch angenehme Seiten haben.


Was haben wir noch? Die Draufsicht auf den Knusperkopf des nun 4jährigen Stadtkoboldes. Was will uns der Künstler (ich!) mit diesem Schnappschuß abschließend sagen? Das die Struktur des Gedankenumrühr eines, sich in der Entwicklung befindlichen kindlichen Gehirns und die Verwirbelung eines Tornados nahezu identisch ist.

So ein Tipptourettesyndrom, wohldosiert, ist eine brauchbare Sache Octa. ;-)

Montag, 17. Mai 2010

Ein Sch... Tag ... :-D



... oder der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. *g* Der Zwerg muß ja. 1. gehört er zu unserer WG und 2. kann er bei mir ungestört Kika schauen. Es wird wohl ewig sein Geheimnis bleiben, warum er damals, vor knapp 3,5 Jahren, so eine Show abzog. Nun ja ...